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Denkmalpflege literarisch
Autographenerwerbungen der Landesbibliothek 1949-1999

Ausstellung in der Lippischen Landesbibliothek Detmold
vom 7. November bis zum 17. Dezember 1999

konzipiert von Dr. Julia Hiller von Gaertringen (Literaturarchiv) und Dorothee Melchert (Musiksammlung)

Mit dem Tag der Offenen Tür am 7. November wurde in der Landesbibliothek die Ausstellung „Denkmalpflege literarisch" eröffnet. Die Bibliothek präsentiert zum Jubiläum des Landesverbandes Lippe bis zum 17. Dezember eine Auswahl aus den Autographen-Erwerbungen der letzten 50 Jahre.

Autographos – das heißt „eigenhändig geschrieben". Im Lippischen Literaturarchiv, in der Musiksammlung und in der Bandel-Sammlung der Landesbibliothek werden wertvolle handschriftliche Aufzeichnungen, Briefe und Dokumente bedeutender lippischer Persönlichkeiten aufbewahrt. Es ist in den letzten 50 Jahren gelungen, diese Sammlungen durch Ankäufe bei Auktionen oder Händlern beträchtlich zu vermehren.

Vieles kam auch als Schenkung ins Haus. Der Großzügigkeit lippischer Familien ist es zu danken, daß sich heute neben den durch Kauf erworbenen Autographen auch vierzig Schriftstellernachlässe im Lippischen Literaturarchiv befinden. Alles zusammen bildet eine erstrangige Sammlung historischer Quellenmaterialien zur deutschen Literatur- und Kulturgeschichte.

Mit Rechnung vom 1. März 1950 erwarb der Landesverband Lippe als neuer Unterhaltsträger der damals bereits 336 Jahre alten Bibliothek die ersten Autographen für die Landesbibliothek. Es handelte sich um das Fragment einer eigenhändigen Niederschrift des Detmolders Christian Dietrich Grabbe zu seinem Drama Die Hermannsschlacht und um Briefe des ebenfalls in Detmold geborenen Ferdinand Freiligrath an Luise Christiane Grabbe, des Dichters Witwe. Diese ersten Autographen werden ebenso wie die jüngsten Erwerbungen der Landesbibliothek aus den Monaten Mai/Juni 1999 in der Ausstellung gezeigt.

In den dazwischenliegenden Jahrzehnten konnte manches Spektakuläre, manches Kostbare und manches Ungewöhnliche für die Autographen-Sammlungen erworben werden. Im Zentrum des Interesses standen dabei immer wieder die lippischen Dichter Grabbe, Freiligrath und Georg Weerth und der Komponist Albert Lortzing.

Besonders sensationell war 1959 der Ankauf der Werkhandschrift von Christian Dietrich Grabbes Drama Napoleon oder die hundert Tage. Sie war die letzte große Werkhandschrift Grabbes, die sich noch in Privatbesitz befand. Für den Landesverband Lippe war diese Handschrift, die zum Schätzpreis von 25.000 DM versteigert werden sollte, zunächst völlig unerschwinglich. Es waren zu wenig finanzielle Mittel vorhanden, um auf der Auktion überhaupt mitzubieten. Andererseits war klar, daß die Handschrift nach Detmold gehörte. Als auf der Auktion überhaupt kein Gebot einging, sprang der Direktor des Schiller-Nationalmuseums ein und erwarb die Handschrift mit Mitteln der Schiller-Gesellschaft. Dadurch gewann der Landesverband Lippe Zeit. Heinrich Drake persönlich warb um Spendengelder, das Land Nordrhein-Westfalen beteiligte sich, und im November 1960 ging die Handschrift in das Eigentum der Lippischen Landesbibliothek über. Auch diese Kostbarkeit ist in der Ausstellung zu sehen.

Manches gerät durch Zufall nach Detmold, etwa wenn ein Bündel von „34 Autographen des 19. Jahrhunderts" aus einer privaten Autographensammlung nur als Ganzes ersteigert werden kann. So kam die Landesbibliothek in den Besitz von Handschriften Ottilie von Goethes, Fanny Lewalds oder Hermann Hesses. Auch solche literarischen Autographen werden gezeigt, neben Handschriften aus der gelehrten Welt und frühen Dokumenten aus lippischen Staatsgeschäften.

Die Ausstellung hat folgende Abschnitte:

→ Grabbe

→ Freiligrath

→ Weerth

→ Einzelautographen

→ Musikabteilung

→ Jüngste Erwerbungen