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Lippe 1848
Von der demokratischen Manier, eine Bittschrift zu überreichen

Ausstellung in der Lippischen Landesbibliothek
vom 4.10. bis 18.12.1998

Siehe auch: 1. Ankündigung, 2. Ankündigung, 3. Ankündigung.

Die Ereignisse

Karikatur: Demokratische Manier eine Bittschrift zu übergeben

Unter dem Eindruck der Vorgänge in Südwestdeutschland und Frankreich forderten Detmolder Bürger im März 1848 die Gewährung demokratischer Rechte. Sie wurden von Fürst Leopold II. im Gefolge gleichlautender Beschlüsse im Deutschen Bund recht schnell bewilligt. Das Bürgertum Lippes fühlte sich anerkannt, organisierte Dankadressen an die fürstliche Regierung und hoffte auf einen institutionell abgesicherten Übergang zu einer konstitutionell-monarchischen Regierungsform. Die fürstliche Regierung schien kompromißbereit und durch Berufung liberaler Persönlichkeiten in die Regierungsverantwortung gewillt, die notwendigen Reformen zu vollziehen.

Auch in den ländlichen Regionen Lippes kam es zu zahlreichen Eingaben und zu Unruhen, deren Zündstoff die schlechte wirtschaftliche und soziale Lage der bäuerlichen Unterschichten bildete. Diese war zum einen durch das Erbrecht bedingt, das die Übergabe des bäuerlichen Besitzes an nur einen Erben vorsah und somit viele Landbewohner ohne wirtschaftliche Grundlage beließ. Sie war zum anderen konjunkturell bedingt durch Mißernten und Teuerungen in den vorausliegenden Jahren.

Mit der Wage (→hier online) und dem Lippischen Volksblatt (→hier online) entstanden in Lippe zum ersten Mal politisch engagierte Zeitungen. Die Wage befürwortete die Revolution und verfolgte eine demokratisch-republikanische Linie, das Volksblatt war konservativ und antirevolutionär. Beide Zeitungen verdankten ihr Entstehen der revolutionären Errungenschaft der Pressefreiheit. Sie unterstützten die politischen Vereine der jeweiligen Couleur in Lippe und formulierten deren Positionen.

Der erste frei gewählte lippische Landtag kam im Juni 1849 zusammen. Da war die Revolution jedoch bereits am Ende. Auch in Lippe wurde nach 1850 das Rad zurückgedreht.

Die Ausstellung

In 18 Stationen zeichnet die Ausstellung die Revolutionsereignisse in Lippe nach. Dabei hat sie nicht nur das Geschehen in der Residenzstadt im Blick, sondern auch die Proteste auf dem Land und die Vorgänge in Lemgo. Auch die Protagonisten der 1848er-Revolution aus Detmold, die zu dieser Zeit außerhalb Lippes wirkten, wie Theodor Althaus, Ferdinand Freiligrath, Malwida von Meysenbug und Georg Weerth, werden vorgestellt.

Übersicht über die Kapitel der Ausstellung

  1. Die Revolution in Europa, in Deutschland und in Lippe
  2. Das Hermannsdenkmal 1841
  3. Theodor Althaus
  4. Die Detmolder Ressource
  5. Die maerzereignisse in der Residenzstadt
  6. Malwida von Meysenbug
  7. Georg Weerth
  8. Ferdinand Freiligrath
  9. Die Fürstlich Öffentliche Bibliothek zu Detmold 1848
  10. Katzenmusik in Detmold
  11. Soziale Proteste auf dem Lande
  12. Zeitungen, Versammlungen, Vereine
  13. Carl Volkhausen
  14. Moritz Leopold Petri
  15. Revolution und lokale Politik in Lemgo
  16. Die Detmolder Paulskirche
  17. Heinrich Schierenberg
  18. „Revolution 1848" - Eine Ausstellung 1948

 

Wichtig für das Ausstellungskonzept ist die Überlegung, daß die Forderungen und Ideen der Revolution mitgeteilt und verbreitet werden mußten, um Wirkung entfalten zu können. Öffentliche Kommunikation ermöglichte und begleitete den revolutionären Prozeß. Die schriftlichen Dokumente der Zeit – Zeitungen, Flugblätter, Eingaben, Briefe, Petitionen – stehen daher im Vordergrund und bilden die Hauptmenge der Exponate.

Objekte wie Fahnen, Kokarden, eine Bürgerwehrtrommel, Erinnerungsmedaillen und anderes dokumentieren die Symbole, die sich die Revolution verlieh, auch wenn es davon in Lippe nur wenige Spuren gibt. Vieles wird hier zum ersten Mal gezeigt.

Die Inszenierung

Das ungewöhnliche Präsentationskonzept der Ausstellung, das auf vielfältige Weise moderne Baumaterialien nutzt, haben Studierende der Fachhochschulen Bielefeld und Lippe unter der Leitung von Prof. Gerd Fleischmann entworfen und ausgeführt.

Das Rückgrat der Ausstellung bildet ein Baugerüst, das sich im Kern des Treppenhauses der Landesbibliothek über drei Stockwerke erstreckt und Ausstellungsstücke aufnimmt. Schalbretter ersetzen Stellwände, Konstruktionen aus rechteckigen Betonkränzen und Plexiglas dienen als Vitrine.

Das Bild der Baustelle und des Gerüstes ist mit der Vorstellung von etwas Unfertigem verbunden. Zugleich aber auch mit der Hoffnung auf einen gelingenden Abschluß. Das Bild der Baustelle erinnert an Mühsal und Arbeiten unter schweren Bedingungen.

Die Revolution als Baustelle – eine Interpretation der historischen Abläufe und zugleich ein Kommentar zum Verständnis der Demokratie: vieles wird entworfen, manches begonnen und nicht alles fertiggestellt.

Öffnungszeiten

montags 10-18 Uhr
dienstags 10-18 Uhr
mittwochs 10-18 Uhr
donnerstags 10-20 Uhr
freitags 10-18 Uhr

Der Eintritt ist frei.
Das Buch

Zur Ausstellung ist ein reich bebilderter Katalog erschienen. Er kostet in der Ausstellung 25.- DM, im Buchhandel 35.- DM.

Lippe 1848. Von der demokratischen Manier eine Bittschrift zu überreichen.
Hg. von Harald Pilzer und Annegret Tegtmeier-Breit.
Detmold: Lippische Landesbibliothek, 1998. 334 S., Abb.
ISBN 3-9806297-0-8
Führungen

Die Landesbibliothek bietet für Gruppen und Schulklassen regelmäßig Führungen durch die Ausstellung an. Sie können unter der Nummer (05231) 92660-0 telefonisch vereinbart werden.
Folgende Termine stehen zur Verfügung:
dienstags 10 Uhr
dienstags 16 Uhr
donnerstags 10 Uhr
donnerstags 18.30 Uhr
Die Gebühr beträgt 60,- DM für Gruppen und 40,- DM für Schulklassen.

Am Samstag, dem 21. November, von 10 bis 18 Uhr und am Sonntag, dem 22. November, von 10 bis 16 Uhr kann die "Baustelle Revolution" in der Lippischen Landesbibliothek besichtigt werden.
Kostenlose Führungen finden statt am Samstag um 11 Uhr und um 15 Uhr und am Sonntag um 11 Uhr.
Finissage am 18. Dezember 1998 um 18 Uhr

Bei der Finissage werden die Baumaterialien der Ausstellung zur Versteigerung kommen, zum Beispiel die im Offsetverfahren mit Quellentexten bedruckten Schalbretter. Wer weniger Interesse an den Ausstellungsstücken als vielmehr an den Baumaterialien selber hat, kann aber auch unbedruckte Schalbretter, Bauleuchten, Dachlatten, Bodenplatten und anderes mehr ersteigern. Jedermann ist herzlich dazu eingeladen. Die Gegenstände, die zur Versteigerung kommen sollen, werden Anfang Dezember entsprechend ausgezeichnet. Für Essen und Trinken ersteigerungswilliger und anderer Gäste ist gesorgt.

Das Projekt

Projektleitung

Harald Pilzer M.A.

Projektbearbeitung

Sylvia Brinkmann M.A.
Annegret Tegtmeier-Breit

Die Projektbearbeitung wurde vom Arbeitsamt Detmold finanziell gefördert.

Ausstellungsgestaltung

Fachhochschule Bielefeld, Fachbereich Design, und Fachhochschule Lippe, Abteilung Detmold, Fachbereich Architektur/Innenarchitektur:

Elisabeth Biederbick-Conteh
Alexander Bittner
Stefanie Endt
Miriam Kabaum
Eva Mettenborg
Stefan Oppenländer
Maria Thamm
Barbara Unterhalt
Rupert Wöhrmann
Leitung: Prof. Gerd Fleischmann, Fachhochschule Bielefeld

Für Unterstützung und gute Zusammenarbeit
bedanken wir uns bei

Gebr. Klingenberg GmbH, Detmold
Gebr. Klingenberg Buchkunst Leipzig GmbH, Baalsdorf / Leipzig
Berkemann GmbH, Detmold
Menke+Krüger GmbH, Detmold
Siemens Gerüstbau GmbH, Lemgo
SVD Detmold

Leihgeber

Archiv der Stadt Blomberg
Archiv der Stadt Lemgo
Burgmuseum Horn, Stadt Horn-Bad Meinberg
Deutsches Historisches Museum, Berlin
Deutsches Technikmuseum Berlin
Evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Detmold
Internationales Institut für Sozialgeschichte, Amsterdam
Lippisches Landesmuseum, Detmold
Naturwissenschaftlicher und Historischer Verein für das Land Lippe e.V.
Nordrhein-Westfälisches Staatsarchiv Detmold
Städtisches Gymnasium Leopoldinum, Detmold
u.a.m.