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Pálinka, Puszta, Plattensee
Ungarn in alten Drucken

Ausstellung in der Lippischen Landesbibliothek
vom 10.8. bis zum 21.9.1998

In ihrer Reihe kleiner Präsentationen aus dem alten Buchbestand zeigt die Lippische Landesbibliothek in diesem Sommer bemerkenswerte Drucke zu verschiedenen europäischen Ländern.

Als drittes vorgestellt wird Ungarn in alten Drucken. Gezeigt werden 28 Werke des 16. bis 19. Jahrhunderts: Atlanten, Reisebeschreibungen, Chroniken und Tafelwerke, die auch etwas zum Anschauen bieten.

→ Zu Textproben aus den vorgestellten Werken

Exponate

Atlanten

1
Atlas minor
Das ist: Eine kurtze jedoch gründliche Beschreibung der gantzen Welt. - 2 Bände. - Amsterdam 1648
K 93

Von Gerhard Mercators großen Atlanten leiten sich etliche kleinere Ausgaben ab. Der zweiteilige Atlas minor erschien zuerst 1622 in lateinischer Sprache. Der erste Band enthält eine Übersichtskarte des "Königreichs Ungern", dazu dessen geographische Beschreibung. Sehr detailliert werden Verwaltung und Gerichtsbarkeit im Königreich Ungarn beschrieben.

2
Atlas Portatilis Oder Compendieuse Vorstellung der ganzen Welt in einer kleinen Cosmographie ...
3., verbesserte Auflage. - Nürnberg 1745.
K 98

Dieser Taschenatlas von Johann Gottfried Gregorii, "zum Nutzen der fleißigen und Lehr-begierigen Jugend" zu Unterrichtszwecken herausgegeben, enthält 31 handkolorierte Landkarten. Den Karten sind ausführliche Erläuterungen beigegeben, die außer den geographischen Verhältnissen auch historische Nachrichten zur Kenntnis bringen.

3
Neuwe Archontologia cosmica
Das ist / Beschreibung aller Kayserthumben / Königreichen und Republicken der gantzen Welt / die keinen Höhern erkennen ... - Frankfurt am Main 1638.
K 14 4°

Diese Kosmographie von Pierre d'Avigny, im Auftrag Matthäus Merians aus dem Französischen übersetzt und von diesem 1638 mit eigenen Landkarten und Stadtansichten dem Herzog Ernst von Sachsen gewidmet, informiert umfassend über die Geographie aller Länder der Erde, "wie auch von der Alten und Newen Innwohnern Gebräuchen / Rechten unnd Gewonheiten / Fruchtbarkeit und Unfruchtbarkeit deß Erdreichs / Item von der Potentaten Rennten unnd Einkommen / Kriegs-Macht zu Wasser und Landt / Religions- und Kirchen-Wesen" etc. Zum Königreich Ungarn finden sich außer einer geographischen Übersichtskarte Stadtansichten von Budapest und dem damals habsburgisch-ungarischen Preßburg.

Weltbeschreibung. Chronistik

4
Antonii Bonfinii Rerum Hungaricarum Decades Libris XLV.
Editio Septima. - Leipzig 1771.
G 445 a 2°

Der Humanist Antonio Bonfini (1427-1502) wurde als berühmter Gelehrter seiner Zeit von König Matthias I. Corvinus an den ungarischen Hof berufen. Er erhielt den Auftrag, eine Geschichte Ungarns vorzulegen. Seine lateinische Darstellung in 45 Büchern umfaßt die Gesamtgeschichte Ungarns vom Ursprung des ungarischen Volkes bis zum Jahr 1495. Nach dem Vorbild des Livius teilte Bonfini seine Darstellung in Decades ein. Eine erste vollständige Druckausgabe seines Werkes erschien im Jahr 1568. Die Lippische Landesbibliothek besitzt die in Leipzig gedruckte siebte Ausgabe aus dem Jahr 1771.

5
Chronologia Pannoniae.
Ein Kurtze beschribung / deß Königreichs Ungern ... Auß vilen glaubwirdigen Authoribus colligiert ... Durch Lev[in] Hulsium. - 2. Ausgabe. - Nürnberg 1596.
G 1031. x

Vom Jahr 155 nach der Sintflut, als Bonnon das Land regierte – ein Nachkomme von Noahs Sohn Iaphet, nach dem das alte Pannonien mutmaßlich seinen Namen hat –, bis zum Jahr 1595 nach Christi Geburt reicht dieser kurze chronologische Abriß der ungarischen Geschichte. Levin Hulsius († 1606), Emigrant aus Gent, der in Nürnberg als Schriftsteller tätig war und eine Buchdruckerei besaß, hat ihn 1595 erstellt.

Der Sammelband mit Chroniken stammt aus der Bibliothek des Frankfurter Patriziers Zacharias Conrad von Uffenbach (1683-1734), eines bedeutenden Bibliophilen und Privatgelehrten seiner Zeit.

6
Ungarische Chronica /
Darinnen ordentliche / eigentliche / kurtze Beschreibungen des Ober und Nieder Ungern ... verfertiget Durch Wilhelm Schäfer / genandt Dilich. - Kassel 1606.
G 1032

Aus zwei Teilen besteht diese Landesbeschreibung: "Im ersten wird Ungerland / wie das jetzt ist / beschrieben mit angehengten Landtaffeln und abrissen der fürnembsten Stätte und Festungen. Das ander meldet von der Ungarn sitten unnd trachten; wie auch von den vornembsten geschichten und sachen / die sich bey diesem Volck zugetragen."

Das Buch ist reich illustriert mit Landkarten, Stadtansichten, Kupferstichen von ungarischer Tracht und Herrscherportraits. Aufgeschlagen ist der Anfang des Kapitels über die Regierungszeit von Matthias Hunyad (1443-1490), genannt Matthias Corvinus, der 1458 zum ungarischen König gewählt wurde und als herausragende Herrschergestalt am Übergang vom Mittelalter zur Neuzeit in die Geschichte einging. Er errichtete einen modernen Staat mit Verwaltungsapparat und stehendem Heer; Handel und Wirtschaft blühten unter seiner Regierung. Bei der Sicherung seines Landes gegen türkische Angriffe hatte er eine glückliche Hand. Als Förderer von Künsten und Wissenschaften bescherte er seinem Land eine Blüte der Frührenaissance. Seine Bibliothek, die berühmte Corviniana, gehörte damals zu den größten Sammlungen der Welt.

7
Der Iztregirenden Welt Große Schaubühne /
Auf welcher die izziger Zeit in Blühte stehenden Keiserthümer / Königreiche / Frei-Fürstenthümer / und Frei-Staaten ... Historisch und Politisch abgehandelt ... von Friedrich Leutholf von Frankenberg. - Nürnberg 1677.
K 12

Eine barocke Kosmographie, in der alle Länder der Welt nach ihren geographischen, staatlichen, rechtlichen und religiösen Verhältnissen zum Nutzen "staatsliebender Leser" beschrieben werden: "Du aber / der StaatsLehre begieriger Leser / beliebe nach deiner wohlgefälligen Bequehmligkeit mit deinen Gedanken dich auf die Staffeln dieses Schauhauses niederzulassen / und die aufgeführte Fürstellungen zu deinem Nutz und Lust anzuschauen ..."

Der erste Teil handelt ganz allgemein "Von Der Welt / ihren Teilen und Zeiten", der zweite vom Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation und von anderen "Kaisertümern", der dritte von den europäischen Königreichen und der vierte von den unabhängigen Fürstentümern und Freien Republiken. Innerhalb des dritten Teils wird das Königreich Ungarn mit seinen Herrschaftsverhältnissen dargestellt.

Ferdinand Albrecht Graf zu Lippe erwarb diese Weltbeschreibung 1683 auf einer Auktion.

8
Des Herrn Allain Manesson Mallets Beschreibung Des gantzen Welt-Kreises
Vierdter Theil /
Von dem Alten und neuen Europa. - Frankfurt a. M. 1719.
K 18 (2)

Eine Weltbeschreibung in fünf Teilen legte Alain Manesson Mallet (1630-1706) 1683 in Paris unter dem Titel Description de l'univers vor. Sie wurde bereits 1684 ins Deutsche übersetzt. Die vorliegende aktualisierte Ausgabe, mit 650 überaus qualitätvollen Kupferstichen ausgestattet, erschien 1719 in Frankfurt am Main.

Das 14. Kapitel "Von dem Königreiche Ungarn / und denen einverleibten Provintzien" schließt auch die Beschreibung Siebenbürgens, Slavoniens und Kroatiens mit ein. Bei der Landesbeschreibung handelt es sich größtenteils um eine Aufzählung der Städte, Schlösser und Festungen in den einzelnen Bezirken des habsburgischen Königreichs Ungarn.

9
M. Anton Friderich Büsching ... neue Erdbeschreibung. Erster Theil.
Hamburg 1754.
K 22 (1)

Anton Friedrich Büsching (1724-1793) gilt als Begründer einer Geographie auf wissenschaftlicher Grundlage. Seine "politisch-statistische Methode" war bahnbrechend für die neuere Geographie: sie vermittelt genaue Nachrichten über den politischen Zustand der einzelnen Länder, allerdings kaum etwas über deren physikalische Natur. Die Neue Erdbeschreibung erschien von 1754 bis zu Büschings Tod 1792 in elf Teilen zu Europa und einem Teil Asiens, sie wurde nach seinem Tod für weitere Teile Asiens, Afrika und Amerika fortgesetzt.

Auf den Seiten 898 bis 1068 des ersten Teils wird – wie schon bei Mallet – das "Königreich Hungarn ... nebst den einverleibten Ländern" Siebenbürgen, Slavonien, Kroatien und Dalmatien abgehandelt.

Türkenkriege

Die Türkenkriege sind Teil der Geschichte Ungarns bereits seit dem 14. Jahrhundert. Damals hatten die Türken weite Teile des Byzantinischen Reiches in Kleinasien erobert. Schon 1354 betraten sie europäischen Boden, und nach den Siegen über Serben und Bulgaren war auch Ungarn bedroht. Nachdem die Türken 1453 Konstantinopel eingenommen und das Byzantinische Reich vollständig zerschlagen hatten, wurde ihr Vordringen unaufhaltsam.

Seit der Schlacht von Mohács 1526 stand Ungarn unter türkischer Herrschaft. Die türkische Fremdherrschaft sollte 150 Jahre dauern. 1541 wurden Buda und Pest endgültig erobert. Ungarn wurde dreigeteilt in einen habsburgischen Teil im Nordwesten, ein vom Osmanischen Reich abhängiges Fürstentum Siebenbürgen und einen türkischen Teil, den der Pascha von Buda regierte.

Immer wieder versuchten die Türken, ihr Reich weiter nach Mitteleuropa auszudehnen. In permanenten Grenzkämpfen verschob sich ständig die Grenze; in den Grenzgebieten kam es zu Plünderungen, Raubüberfällen, Brandschatzungen und Verwüstungen. Die Habsburger benutzten ihren Teil Ungarns als Puffer für ihre Grenzen und vermieden möglichst den Zusammenstoß mit den Türken, doch immer wieder kam es zu Scharmützeln, Angriffen und Belagerungen.

Erst am Ende des 17. Jahrhunderts gelang es, die Türken aus Ungarn zu vertreiben. 1686 wurde Buda befreit, 1687 Siebenbürgen von habsburgischen Truppen besetzt. 1699 wurde Ungarn per Friedensvertrag von der Türkenherrschaft frei. Die ungarischen Stände mußten allerdings das Erbfolgerecht der Habsburger auf den ungarischen Thron anerkennen. Der Freiheitskampf der Ungarn richtete sich nun für weitere fast 150 Jahre gegen die Herrschaft der Habsburger.

10
Ungerischer und Sibenbürgischer Kriegshändel.
Außführliche Beschreibung / was sich vom Früling Anno 1592 ... biß auff den Früling dises jetztlauffenden 1596. Jars / zwischen gemeltem Erbfeindt und den Christen so wol in ober als under Ungarn ... gedenckwürdigs verloffen und zugetragen. - Frankfurt a. M. 1596.
G 1043

Von 1592 bis 1606 währte der sogenannte Fünfzehnjährige Türkenkrieg in Ungarn – größtenteils ein aussichtsloses Ringen um einzelne Grenzfesten. Die kriegerischen Ereignisse vom Einfall türkischer Truppen ins habsburgische Kroatien im Frühjahr 1592 bis zu den Streifzügen der Türken in der Gegend von Esztergom im maerz 1596 werden in dieser Kriegschronik ausführlich beschrieben: "dem Christlichen Leser zu Erinnerung und Ermahnung ... damit er deß grewlichen Erbfeindts Macht / Tyranney und List desto mehr zu gemüht führen / unnd Täglig Gott den Allmächtigen bitten wölle / unserm Christlichen Kriegsvolck Sieg wider diesen Erbfeind zuverleyhen."

Das Buch stammt aus dem Besitz des Grafen Simon VI. zur Lippe. Seinen Einband zieren die Initialen Simons VI. und die Jahreszahl 1596. Der Graf hat das tagespolitisch aktuelle Buch also sofort nach dem Erscheinen angeschafft.

11
Zeitung / von gegewertigen zustand des Kriegswesens in Ungern /
vom 25. Julij. Wie die Türcken / die Vestung Tottes / bey Gomorra/ erobert 13. Julij. ... - o.O. 1594.
G 1023. x

Einen Druckbogen mit acht Seiten Text umfaßt diese "neue Zeitung", die aktuelle Nachrichten aus der ersten Hälfte des Juli 1594 verbreitete. Die wichtigste zuerst und auf dem Titelblatt: am 14. Juli wurde die ungarische Festung Tottes bei Komárom, die seit dem 7. Juli von den Truppen des Sinan Pascha belagert worden war, von den Türken eingenommen: "Man besorget sich von denselben eines grossen streyffens in Osterreich und vielleicht weiter in Deudschland / Gott wende es gnediglich abe."

12
Außführlich Bedencken Oder Rathschlagk / Uber dem noch schwebenden Kriegßwesen in Ungern.
Wie dasselbe Reformiret und zu einer Bestendigkeit gebracht ... in Druck gegeben: Durch Reinoldum de Grotenbeck. - o.O. 1598.
G 1007

Wie eine sichere Grenze gegen das Türkische Reich befestigt werden könne, welche politischen Voraussetzungen dazu bestehen müßten und welche strategischen Überlegungen anzustellen seien, aber auch welche finanziellen Mittel nötig seien, um effiziente Grenzposten zu unterhalten, und woher diese finanziellen Mittel kommen sollten, ist das Thema dieses Traktats, der sich mit anderen historischen und fortifikatorischen Werken in einem Sammelband des Grafen Simon VI. zur Lippe findet.

13
Neue Ungarische und Siebenbürgische Chronick
Oder Kurtz verfaßte Historische Beschreibung deß Königreichs Ungarn ... -     Frankfurt a. M. 1664.
G 1033

In 48 Kapiteln berichtet diese Chronik, die das damals Bekannte "auß den bewehrtesten Scribenten" zusammenträgt, von der Geschichte Ungarns. Das erste Kapitel handelt vom Ursprung bis zu den Hunnen, ein zweites vermittelt einen Überblick über die geographischen Verhältnisse. Die weiteren Kapitel gelten jeweils der Herrschaftsperiode eines der ungarischen Könige, von Stephan I. als dem ersten christlichen König im 10./11. Jahrhundert bis zu Leopold I., dem fünfundvierzigsten christlichen König, der seit 1657 regierte.

Zusammengebunden ist die vorliegende Chronik mit dem gleichzeitig im selben Verlag und im selben Druckformat erschienenen "Türcken Grewel" von David Schuster, das die "abschew-liche Lehr" des Islam vorstellt und ausführlich von den Herrschaftsverhältnissen des Osmanischen Reiches berichtet. Der "gemeine teutsche Mann" sollte nach Meinung Schusters den Feind besser kennen, gegen den es nicht nur in Ungarn zu kämpfen galt.

Der Kupferstich im Anhang der Chronik zeigt die Schlacht bei Leventz im Juli 1664, bei der die Stadt durch die kaiserlichen Truppen unter Führung des Grafen de Souches von türkischer Belagerung entsetzt wurde.

Reisen

14
Naukeurige en Gedenkwaardige Reysen van Edward Brown ...
door Nederland, Duytsland, Hongaryen, Servien, Bulgarien, Macedonien, Thessalien, Oostenrijk, Stiermark, Carinthien, Carniole, en Friuli, enz. - Aus dem Englischen von Jacob Leeuw. - Amsterdam 1682.
K 254

Sowohl alle "merkwürdigen Seltsamkeiten der vornehmsten Reiche, Länder und Städte als auch Gold-, Silber-, Kupfer- und Quecksilberminen; Bäder, Brunnen, Mineralien, Raritäten, Kuriositäten" sind Gegenstand dieser Reisebeschreibung, ebenso die geographischen, volkskundlichen, religiösen, staatlichen und landwirtschaftlichen Verhältnisse der besuchten Länder.

Der englische Arzt Edward Brown reiste 1668 bis 1673 auf Veranlassung der Königlich Englischen Medizinischen Gesellschaft über Holland und Deutschland nach Südosteuropa. Seine Reisebeschreibung erschien 1673 in London; sie wurde ins Französische, Holländische und Deutsche übersetzt.

Der zweite Teil des Buches, fast die Hälfte des Gesamttextes, berichtet von Browns Reise durch Ungarn und den Balkan. Eines der zahlreichen Kupfer stellt die Arbeit in den Bergwerken der oberungarischen Bergstädte dar, deren Gold- und Silberminen damals zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten zählten.

15
Die vornehmsten Europäischen Reisen, wie solche ... auf eine nützliche und bequeme Weise anzustellen sind
ausgefertiget von Gottlob Friedrich Krebel. - Hamburg 1767
K 251

Dies ist eine Neuausgabe des berühmten Lehmann'schen Reisehandbuchs, das als Standardwerk der Reisenden in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts insgesamt zwölf Auflagen erlebte. Auch die Neuausgabe des sächsischen Finanzbeamten Gottlob Friedrich Krebel wurde bis Ende des 18. Jahrhunderts viele Male wieder aufgelegt. Aus diesem Kompendium erfährt der Leser alles Wichtige über Anreisewege, Reisekosten, Sehenswertes und über brauchbare Hotels wie landesübliche Währungen.

Ein von Krebel hinzugefügter "Geographischer Abriß" informiert knapp über alles, was allgemein über die europäischen Länder wissenswert ist. Hier ist auch etwas zu erfahren über die "Hungarische Krankheit" und über das "Hungarische Wasser, welches hauptsächlich in Frankreich und Italien aus Rosmarin gebrannt, auch anderwärts häufig nachgemacht wird, [es] hat seinen Namen von einer Königinn in Hungarn, die es zuerst erfunden haben soll, daher heißt es auch im Französischen l'eau de la Reine d'Hongrie."

16
Johann Georg Keyßlers Reisen durch Deutschland, Böhmen, Ungarn, die Schweiz, Italien und Lothringen,
in welchen der Zustand und das Merkwürdigste dieser Länder beschrieben ...
Neu herausgegeben von Gottfried Schütze (3. Ausgabe). - 2 Bände. - Hannover 1776.
K 263

"... und vermittelst der Natürlichen, Gelehrten, und Politischen Geschichte, der Mechanik, Mahler- Bau- und Bildhauerkunst, Münzen und Alterthümer, wie auch mit verschiedenen Kupfern erläutert wird".

Johann Georg Keyßler (1693-1743) stand nach einem Studium in Halle als Hofmeister im Dienst des Grafen Giech in Turnau, dann des Grafen Bernstorff im Lauenburgischen. Mit den Söhnen bzw. Enkeln der Grafen unternahm er ausgedehnte Reisen in die europäischen Nachbarstaaten. Die gedruckte Beschreibung seiner Reisen, von der Zensurbehörde stark verstümmelt, erschien zuerst 1740/41 in Hannover. Im Verlauf des 18. Jahrhunderts erschienen mehrere Ausgaben in Deutschland und Übersetzungen ins Englische und Holländische.

Die Reisebeschreibung hat die Form ausführlicher Briefe, deren Interesse sich auf gelehrte Dinge, auf Denkmale, Museen, kulturelle und naturgeschichtliche Sehenswürdigkeiten konzentriert. Nebenher wird aber auch manches Wissenswerte über die politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse und mancher Klatsch von den europäischen Fürstenhöfen mitgeteilt. Das 84. Schreiben berichtet von der "Reise nach den ober-ungarischen Bergwerken und ferner nach Ofen, Raab, Commorra etc."

17
Reise in Ungarn, von J. G. Kohl.
2 Bände. - Dresden und Leipzig 1842. - (Hundert Tage auf Reisen in den österreichischen Staaten. Teil 3/4).
K 547

Johann Georg Kohl (1808-1878) war einer der fleißigsten deutschen Reiseschriftsteller seiner Zeit. Er machte aus der Reiseschriftstellerei einen Beruf. In den Jahren zwischen 1836 und 1858 bereiste er fast alle europäischen Länder und einen Teil Nordamerikas. Als Ertrag dieser Reisen publizierte er anschließend zumeist mehrbändige Werke. Seine zweibändige Reisebeschreibung aus Ungarn und dem Banat ist die bei weitem umfangreichste Beschreibung des Landes im Bestand der Lippischen Landesbibliothek und eine wahre Fundgrube an Fakten über das vorrevolutionäre Ungarn.

Titelkupfer zu Bd. 1: "Zigeunerische Musiker und ungarische Tänzer und Tänzerinnen sind zwischen Rebengewinden über einer ungarischen Landschaft zusammengruppirt, auf welcher sich ungarische Fuhrleute und Hirten bewegen."

Titelkupfer zu Bd. 2: "Das Titelkupfer zeigt unten einen Posten von Granitschari (Soldaten aus der Militärgränze) mit zwei der Ueberschwemmungen der Donau wegen auf hölzernen Säulen stehenden Wachthäusern im Hintergrunde. An den Seiten erheben sich zwei Füllhörner, als Sinnbild von Ungarns Reichthum an Naturproducten. Ueber dem einen erblickt man einen ungarischen Magnaten in der ganzen Pracht seiner Kleidung und über dem anderen einen slowakischen Mäusefallen- und Heckelkrämer in seinem dicken wollenen Mantel. Ueber das Ganze breitet der österreichische Doppeladler seine Flügel aus."

18
Ausflug nach der Tatra, der Hegyallia und dem ungarischen Erzgebirge im Sommer 1865
von Dr. H. K. Brandes. - Lemgo und Detmold 1865.
K 769

Bei der Meyerschen Hofbuchhandlung erschien die Reisebeschreibung des Lemgoer Schulrektors Heinrich Karl Brandes, der im Sommer 1865 im Alter von 68 Jahren eine vierwöchige Reise nach Siebenbürgen und ins nördliche Ungarn unternahm. Seine Reise begann in Krakau, führte über die Karpaten und schließlich mit der Bahn nach Tokaj. Von dort reiste Brandes weiter nach Debrecen und Budapest, unternahm Ausflüge in die Matra und zu den oberungarischen Bergstädten und fuhr dann von Gran aus mit dem Zug wieder nach Hause. Alle seine Sommerreisen der Jahre 1850 bis 1868 publizierte Brandes im Verlag der Meyerschen Hofbuchhandlung.

Sprache und Literatur

19
Deutsch-Ungarisches und Ungarisch-Deutsches Wörterbuch,
nach Holzmann, Scheller, Páriz-Pápai und von Márton bearbeitet, und zum Gebrauche beider Nationen herausgegeben. - 2 Bände. - Budapest 1827.
Ph 2431

Ungarisch-Deutsche Wörterbücher erschienen erst seit Anfang des 19. Jahrhunderts. Mit diesem zweisprachigen Wörterbuch von 1827 besitzt die Lippische Landesbibliothek eines der ältesten Werke seiner Art.

"Der gänzliche Mangel eines Deutsch-Ungarischen und Ungarisch-Deutschen Wörterbuches, wird so lebhaft gefühlt, daß es unerklärbar scheint, wie seit dem vom Herrn Prof. von Márton in Wien 1811 herausgegebenen und längst vergriffenen, kein ähnliches Werk erschienen sey. Ohne sich auf Erörterungen hierüber einzulassen, glauben die Herausgeber dieses Wörterbuches sich ein Verdienst dadurch zu erwerben, daß sie mit möglicher Sorgfalt, in einem kurzen Zeitraum, ein Wörterbuch liefern, worin sie den allgemeinen Forderungen des täglichen Bedarfes Genüge zu leisten hoffen, ohne deßhalb auf Vollständigkeit Anspruch machen zu wollen."

20
Album hundert ungarischer Dichter.
In eigenen und fremden Uebersetzungen herausgegeben durch C. M. Kertbeny. - Dresden, Budapest, Wien 1854.
F 1377 b

131 Gedichte von 100 ungarischen Dichtern aus dem Zeitraum 1572 bis 1852 enthält dieser kleine, goldschnittverzierte Sammelband. Im Anhang finden sich Kurzbiographien aller aufgenommenen Dichter samt einer Gruppierung nach Religionszugehörigkeit, Beruf und – für die neueren Dichter – nach Beteiligung an der Revolution von 1848/49. Auch die Übersetzer sind in Kurzbiographien gewürdigt. Sehr nützlich sind eine Bibliographie der Übersetzungen ungarischer Belletristik ins Deutsche und ein kleines erläuterndes Wörterbuch. Aufgeschlagen sind die "Lieder im Volkston" von Sandor Petöfi.

21
Alexander Petöfi's Lyrische Gedichte.
Deutsch von Theodor Opitz. - 2 Bände. - Budapest 1864.
F 1430 o

Der Lyriker Sandor Petöfi (1823-1849) gilt bis heute als Ungarns Nationaldichter und Leitfigur des Freiheitskampfes. Er begann seine Karriere als Statist, Theaterdiener und Kulissenschieber, war zunächst als Schauspieler, dann als Redakteur tätig. Im Revolutionsjahr 1848/49 diente er als Hauptmann in der ungarischen Revolutionsarmee. Er fiel 1849 im Alter von 26 Jahren in der Schlacht bei Segesvár.

Was durch das Scheitern der Revolution 1848/49 politisch unerfüllt blieb, hat Petöfi in seiner volksnahen Freiheitslyrik bereits vorweggenommen. Aufgeschlagen ist das Gedicht "Gibt es eine Handvoll Erd'" aus dem Jahr 1848, ein leidenschaftlicher Aufruf an das ungarische Volk zur nationalen Erhebung.

22
Achtzehn humoristische Erzählungen von Maurus Jókai.
Aus dem Ungarischen übersetzt von einem Landsmanne und Jugendfreunde des Dichters. - Erster Band. - Bremen 1872.
F 1430

Mór Jókai (1825-1904) gilt als bedeutendster Erzähler Ungarns. Sein erster Roman erschien 1846. Zeitlebens war er als Redakteur und Kritiker tätig. Er hinterließ rund 200 außerordentlich volkstümliche Novellen, Erzählungen und Romane.

Im Revolutionsjahr 1848/49 stand Jókai auf der Seite der Revolutionäre. Als Lajos Kossuth im April 1849 in Debrecen die Absetzung der Habsburger proklamierte und selbst zum Reichsverweser bestimmt wurde, nahm Jókai für Kossuth Partei. Nach der Niederschlagung der Aufständischen durch die habsburgischen Truppen mußte er untertauchen. Erst nach seiner Begnadigung 1852 konnte er nach Budapest zurückkehren.

23
Der Dorfnotar. Von Joseph von Eötvös.
Aus dem Ungarischen übertragen von Adolf Weilheim. - Leipzig o.J. [ca. 1877/78].
F 1430 i

Der Jurist Joseph von Eötvös (1801-1871) ist als Verfechter nationaler und demokratischer Ideale im Gedächtnis geblieben. Im Revolutionsjahr 1848/49 war er Kultusminister der ungarischen Revolutionsregierung unter Lajos Kossuth, später liberaler Abgeordneter und, nach dem Ausgleich zwischen Ungarn und der Habsburger Monarchie, wiederum Kultusminister in der 1867 eingesetzten ungarischen Regierung.

In seinen Romanen – der erste erschien 1838 – schildert von Eötvös anschaulich die sozialen Verhältnisse Ungarns in der Habsburgerzeit. Der vorliegende Roman "Der Dorfnotar" erschien zuerst 1846 unter dem Titel "A falu jegyzöje".

Folgende ungarische Autoren sind mit Werken im Bestand der Lippischen Landesbibliothek vertreten:

  • Eötvös, Joseph v. (1801-1871)
  • Petöfi, Sandor (1823-1849)
  • Jókai, Mór (1825-1904)
  • Herczeg, Ferenc (1863-1954)
  • Harsányi, Zsolt v. (1887-1943)
  • Nyirö, Joseph (1889-1953)
  • Zilahy, Lajos (1891-1974)
  • Déry, Tibor (1894-1977)
  • Körmendi, Ferenc (1900-1972)
  • Márai, Sandor (1900-1989)
  • Németh, László (1901-1975)
  • Szerb, Antal (1901-1945)
  • Földes, Jolán (1903-)
  • Mesterházi, Lajos (1916-1979)
  • Szabó, Magda (1917-)
  • Mészöly, Miklós (1921-)
  • Kertész, Imre (1929-)
  • Konrád, György (1933-)
  • Nádas, Péter (1942-)
  • Johann Komáromi,
  • Dezsö Arvay etc.

Musik

24
Franz Erkel: Ouvertüre "Hunyadi László". Piano solo.
Wien, New York o.J. - (Universal-Edition Nr.8315)
Mus-n 4252

Franz Erkel (1810-1893), geboren in Békésgyula und langjähriger Operndirektor am 1838 gegründeten Pester Nationaltheater, ist heute vor allem als Komponist der ungarischen Nationalhymne bekannt. Darüber hinaus wird er als Schöpfer der ungarischen Nationaloper angesehen. Seine zweite von insgesamt acht Opern, Hunyadi László, gilt wegen ihrer volkstümlichen Elemente als eine typisch ungarische Schöpfung. László Hunyadi, der ältere Sohn des Türkenbezwingers János Hunyadi und Bruder des späteren Königs Matthias I. Corvinus, wurde während der Thronstreitigkeiten 1457 von König Ladislaus V. öffentlich hingerichtet. Hier zu sehen ist ein Klavierauszug der Ouvertüre.

25
Grandes Etudes pour le piano
composées et dediées à Monsieur Charles Czerny par F. Liszt. - 1 Livraison. - Wien 1839.
Mus-n 13367

Franz Liszt (1811-1886) ist sicherlich der berühmteste ungarische Komponist. 1811 im burgenländischen Raiding geboren, trat er bereits im Alter von 9 Jahren als Konzertpianist auf. In Wien erhielt er Unterricht unter anderem bei Carl Czerny. Diesem widmete er die 1826 komponierten Grandes Etudes, von denen er 1839 eine verbesserte Fassung veröffentlichte. Die Lippische Landesbibliothek besitzt den Wiener Erstdruck von 1839, einen Kupferstich-Plattendruck des K.u.K.-Hofmusikalienhändlers Tobias Haslinger. Liszts Beziehung zu Ungarn fand vor allem in seinen Ungarischen Rhapsodien und in seiner 1856 in Budapest uraufgeführten symphonischen Dichtung Hungaria Ausdruck, die ebenfalls im Bestand der Lippischen Landesbibliothek vertreten sind.

26
Béla Bartók: Fünfzehn Ungarische Bauernlieder.
Tizenöt Magyar Paraszt-dal. Piano solo. - Wien 1920. - (Universal-Edition Nr. 6370)
Mus-n 9260

Béla Bartók (1881-1945) ist derjenige ungarische Komponist, in dessen kompositorisches Schaffen die ungarische Volksmusik ganz unmittelbar Eingang fand. Bartók war nicht nur als Komponist und Pianist bedeutend – bis 1934 hatte er in Budapest eine Professur für Klavier inne –, sondern auch als Volksliedforscher: er besuchte die Dörfer, zeichnete zahllose Volkslieder auf und machte mit einem Grammophon Aufnahmen davon. Insgesamt sammelte er etwa 16.000 Lieder, von denen er zwischen 1906 und 1935 Teile veröffentlichte. Diese Volkslieder waren auch Material für Bartóks eigene Tonwerke, die von Elementen der Folklore ganz durchdrungen sind. Die hier gezeigten Ungarischen Bauernlieder für Klavier beruhen sämtlich auf Volksweisen, die Bartók zwischen 1907 und 1918 aufgezeichnet hat; die Notationen sind dem Heft vorangestellt.

27
Zoltán Kodály: Psalmus Hungaricus für Tenorsolo, Chor und Orchester op. 13. Partitura.
English version by Edward J. Dent. - Wien, Leipzig [1928].
Mus-n 4423

Zoltán Kodály (1882-1967), Komponist und Musikwissenschaftler, Professor für Musiktheorie und Kompositionslehre in Budapest, war eng mit Bartók befreundet und erforschte gemeinsam mit diesem systematisch die ungarische Volksmusik. Seine eigenen Kompositionen umfassen Kammermusik, Chorwerke und Lieder. Am bekanntesten ist sein Psalmus Hungaricus, ein Auftragswerk, das zum fünfzigsten Jahrestag der Vereinigung Budapests entstand und am 19. November 1923 in Budapest uraufgeführt wurde. Die Lippische Landesbibliothek besitzt eine Taschenpartitur, die den Text auch in deutscher und englischer Fassung bietet.

28
Kinderlied aus der dreiaktigen Operette Gräfin Mariza von Julius Brammer und Alfred Grünwald.
In: Jede Woche Musik 3 (1926) Nr. 20, S.87f.
Mus-n 7816

Anläßlich der 300. Aufführung der Operette Gräfin Mariza von Emmerich Kálmán im Berliner Theater des Westens druckte die Musikzeitschrift Jede Woche Musik 1926 eine Klavier-Fassung des Kinderliedes ab. Der Operettenkomponist Emmerich Kálmán (1882-1953) ist der herausragende Repräsentant der leichten Musik und bis heute überaus erfolgreich mit seinen ungarisches Temperament und Kolorit ausstrahlenden Operetten wie dem Zigeunerprimas (1912), der Csárdasfürstin (1915) und Gräfin Mariza (1924).