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Oliven, Ouzo und Olympier
Griechenland in alten Drucken

Ausstellung in der Lippischen Landesbibliothek
vom 29.5. bis zum 31.7.1998

→ Textproben

Atlanten

1
Atlas minor
Das ist: Eine kurtze jedoch gründliche Beschreibung der gantzen Welt. 2 Bände. - Amsterdam 1648.
K 93

Von Gerhard Mercators großen Atlanten leiten sich etliche kleinere Ausgaben ab. Der zweiteilige Atlas minor erschien zuerst 1622 in lateinischer Sprache. Der zweite Band enthält als letztes "europäisches" Kartenblatt Einzelkarten von Kreta und anderen griechischen Inseln, dazu deren jeweilige geographische Beschreibung. Die Darstellung des griechischen Festlandes mit Makedonien, Epirus, Achaia und der Peloponnes gehört schon zur Beschreibung Asiens, denn diese Gebiete standen unter der Herrschaft der Türken. Aufgeschlagen ist die Karte der Peloponnes.

2
Atlas Portabilis
Oder Compendieuse Vorstellung der ganzen Welt in einer kleinen Cosmographie. 3., verbesserte Auflage. - Nürnberg 1745.
K 98

Dieser Taschenatlas von Johann Gottfried Gregorii, "zum Nutzen der fleißigen und Lehr-begierigen Jugend" zu Unterrichtszwecken herausgegeben, enthält 31 handkolorierte Landkarten. Den Karten sind ausführliche Erläuterungen beigegeben, die außer den geographischen Verhältnissen auch historische Nachrichten zur Kenntnis bringen.

3
Neuwe Archontologia cosmica
Das ist / Beschreibung aller Kayserthumben / Königreichen und Republicken der gantzen Welt / die keinen Höhern erkennen ...
Frankfurt am Main 1638.
K 14 4°

Diese Kosmographie von Pierre d'Avigny, im Auftrag Matthäus Merians aus dem Französischen übersetzt und von diesem 1638 mit eigenen Landkarten und Stadtansichten dem Herzog Ernst von Sachsen gewidmet, informiert umfassend über die Geographie aller Länder der Erde, "wie auch von der Alten und Newen Innwohnern Gebräuchen / Rechten unnd Gewonheiten / Fruchtbarkeit und Unfruchtbarkeit deß Erdreichs / Item von der Potentaten Rennten unnd Einkommen / Kriegs-Macht zu Wasser und Landt / Religions- und Kirchen-Wesen" etc. Von Griechenland finden sich nur zwei Stadtansichten: Herakleion auf der Insel Kreta (venezianisch: Candia) und Korfu.

Abenteurer im Venezianisch-Türkischen Krieg

4
Johann Janszon Straußens sehr schwere, wiederwertige und Denckwürdige Reysen ...
Aus dem Holländischen von A[ndreas] M[üller]. Amsterdam 1678
K 140. 4°

Der holländische Abenteurer Johann Janszon Strauß verdingte sich 1656 als Segelmacher bei der venezianischen Flotte. Während diese sich bei Kreta sammelte, kreuzte seine Mannschaft in der Ägäis und unternahm einen Raubüberfall auf Lesbos. Nachdem Strauß vorübergehend zum türkischen Galeerensklaven geworden war, nahm er an der ersten Dardanellenschlacht und der Eroberung von Tenedos teil. Auf Samos wurde er erneut von den Türken gefangen, denen es nicht gelang, ihn auf Rhodos oder Chios als Sklaven zu verkaufen. Schließlich wurde er von den Venezianern ausgelöst und war als deren Söldner auch bei der zweiten Dardanellenschlacht dabei.

Strauß' großspuriger Bericht, 1677 zuerst in niederländischer Sprache und im folgenden Jahr auf Deutsch veröffentlicht, ist voll von Heldentum, Schlachtgetümmel, Scharmützeln, Seestürmen und Schiffbrüchen; er selbst ist immer in vorderster Linie dabei. Griechenland interessiert ihn eigentlich gar nicht.

„Die venezianische Flotte vor Patmos

Wir kamen erstlich an die Insel Pathmos, wo vorzeiten der Apostel Johannes in den Bann gethan war / und seine Offenbahrungen schriebe. Man zeigete uns in der Höhle eines Berges eine kleine Capelle (wie uns die Griechen berichteten) gestiftet an dem Orte / wo der Apostel seine Gesichten solte empfangen haben: wie auch einen Stein, welcher sich über seinem Bette öffnete und zuschlosse. Von diesem verkaufen die Griechen etliche Stücklein / welche zu Pulver gestossen / vor das dreytägige Fieber eingenommen werden.“

Bestseller

5
Voyage du jeune Anacharsis en Grèce dans le milieu du quatrième Siècle avant l'ère vulgaire.
Von Jean Jacques Barthelémy.5 Bände und Tafeln. - Herve 1789.
FP 166 (aus der Bibliothek der Fürstin Pauline)

In Abbé Barthelémys (1716-1795) vielgelesenem Buch bereist ein junger Skythe aus fürstlichem Geschlecht, der in dieser aufgeklärten Nation sein Glück zu finden hofft, das klassische Griechenland. Die Beschreibung der fiktiven Reise gerät zu einem idyllischen Panorama der antiken Welt, das nicht nur vierzig Auflagen erlebte, sondern auch in alle europäischen Sprachen übersetzt wurde. Die Fürstin Pauline zur Lippe erwarb die 1789 erschienene Erstausgabe.

6
Voyage du jeune Anacharsis en Grèce dans le milieu du quatrième Siècle avant l'ère vulgaire.
Von Jean Jacques Barthelémy. 3. Auflage. - 7 Bände und Tafeln. - Paris 1790.
K 214

Der Abbé ist selber nie in Griechenland gewesen, Stubengelehrsamkeit und Leseeifer ersetzen den Mangel an eigener Anschauung und blähen die vermeintliche Reisebeschreibung mit einer Fülle von Fakten zur griechischen Geschichte ins Monströse auf. Ein umfangreiches Register und ein Tafelband mit Karten, Plänen, Ansichten und Münzabbildungen erlauben die Nutzung als Geschichtskompendium.

Neben der Erstausgabe besitzt die Lippische Landesbibliothek noch die siebenbändige dritte Auflage von 1790, eine neunbändige Ausgabe von 1810 und eine Ausgabe von 1859.

Ethnographie

7
Litterarische Reise nach Griechenland
Oder Briefe über die alten und neuern Griechen nebst einer Vergleichung ihrer Sitten / von Herrn Guys. Band 1. - Leipzig 1772.
H 12238 (aus der Regierungsbibliothek Minden)

Verfasser dieses Buches war der Handelsreisende Pierre Augustin Guys (1720-1799), der Griechenland das erste Mal im Jahr 1748 besuchte und seine letzten Lebensjahre auf der Insel Zakynthos verbrachte. Mit dem Homer in der Hand versuchte er – mit mehr oder weniger Erfolg – im neuen Griechenland das alte wiederzufinden. Sein Buch, 1771 in der französischen Ausgabe erschienen und von Christian Felix Weiße ins Deutsche übersetzt, berichtet in Form von Briefen über das Leben der Griechen seiner Zeit: über ihre Wohnverhältnisse und Nahrungsgewohnheiten, über Kleidung, Schmuck und Körperpflege, ihren Umgang mit Frauen, Kindern und Dienstboten, ihre Feste, ihre Volksdichtung und ihr geselliges Leben. Als Ethnographie Neugriechenlands ist das Buch eine erstrangige Quelle.

Wissenschaftliche Reisen

8
Richard Pocockes Beschreibung des Morgenlandes und einiger anderer Länder.
Aus dem Englischen übersetzt von Christian Ernst von Windheim.
3 Bände. - Erlangen/Leipzig 1754-1755.
K 877. 4°

Eine Mischform aus Orientreise und antiquarischer Reise dokumentiert der Reisebericht des Engländers Richard Pococke (1704-1765), der in den Jahren 1734-1741 die Levante bereiste. Sein gelehrter Bericht ist eine Enzyklopädie des Orients: man erfährt alles über Geographie, Naturgeschichte, Regierungen, Völker, Handel und Landwirtschaft. Das besondere Interesse des Verfassers aber gilt den Altertümern, die er genau beschreibt und in qualitätvollen Kupfern abbildet.

Die Reise beginnt in Ägypten und führt über Palästina, Syrien, Mesopotamien und Zypern nach Kreta, wo Pococke sich drei Monate aufhält. Von dort geht es weiter nach Chios, Lesbos, Samos und Smyrna, durch Kleinasien nach Konstantinopel, zum Athos, nach Thessaloniki und schließlich durch Thessalien und Böotien nach Athen, wo Pococke nur eine Woche bleibt. Schließlich reist er über Eleusis und Megara nach Korinth und Patras. Dort schifft er sich im Oktober 1740 nach Messina ein.

9
Die Alterthümer von Athen.
Beschrieben von James Stuart und Nicholas Revett. Aus dem Englischen übersetzt nach der Londoner Originalausgabe .... 3 Bände. - Darmstadt 1829-1833.
G 1502 - G 151. 2°

Im Auftrag der englischen Society of Dilettanti reisten der Maler James Stuart (1713-1788) und der Architekt Nicholas Revett (1720-1804) 1751 nach Athen, um systematische Vermessungen der klassischen Denkmäler vorzunehmen. Während eines zweieinhalbjährigen Aufenthalts fertigten sie maßgetreue Architekturzeichnungen der antiken Bauwerke und Zeichnungen der vorhandenen antiken Bauplastik an. Ihre Untersuchungen erstreckten sich auch auf weitere Altertümer in Attika. Der erste Band der Antiquities of Athens erschien 1762 in London, in einzelnen Lieferungen lag das Werk bis 1787 vor. Eine deutsche Übersetzung erschien erste 1829-1833.

10
Topographie Athens.
Von William Martin Leake. Übersetzt von J. G. Baiter und H. Sauppe. Zweite Ausgabe. - Zürich 1844.
G 1505 d

Der Colonel William Martin Leake (1777-1860) gilt als Begründer der wissenschaftlichen Topographie Griechenlands. Leake besuchte Griechenland 1802. Im September desselben Jahres befand er sich an Bord von Lord Elgins Schiff Mentor, das mit einer Ladung Marmorkunstwerke vor der Küste von Kythera sank. 1804 sandte ihn die englische Regierung auf eine diplomatische und militärische Mission, auf der er die griechische Westküste erforschen und die türkischen Truppen den Gebrauch moderner Artilleriewaffen lehren sollte. 1815 kehrte er nach England zurück. Leakes Topography of Athens erschien zuerst 1821. Danach veröffentlichte er noch zahlreiche Bücher über Griechenland.

Kriegsgefangener der Türken

11
Pouqueville's Reise durch Morea und Albanien nach Constantinopel
und in mehrere andere Theile des ottomanischen Reichs in den Jahren 1798, 1799, 1800 und 1801. Aus dem Französischen übersetzt von K. L. M. Müller.
2 Bde. - Leipzig 1805.
K 4374 (aus der Gymnasialbibliothek Lemgo)

Der Mediziner François C. H. L. Pouqueville (1770-1838) war bei der Rückkehr von Napoleons Ägyptenexpedition 1798 von Piraten gefangen worden und hatte sieben Monate als Gefangener der Türken in Tripolis auf der Peloponnes verbracht. Nach einem weiteren Jahr Haft in Konstantinopel konnte er 1801 nach Frankreich zurückkehren. Dort publizierte er 1805 seinen Erlebnisbericht: ein großer Publikumserfolg, der in die meisten europäischen Sprachen übersetzt wurde.

Pouqueville widmete das Buch Napoleon und wurde daraufhin als französischer Konsul an den Hof des Ali Pascha in Jannina im Epirus geschickt. Mit dem Konsulat war der Auftrag verbunden, das Gebiet des Pascha eingehend zu erkunden. Von 1815-1817 amtierte er als Konsul in Patras. 1820-1821 veröffentlichte Pouqueville die Ergebnisse seines langjährigen Griechenlandaufenthalts in der fünfbändigen Voyage dans la Grèce, von der 1824/1825 eine deutsche Übersetzung erschien.

Philhellenen

12
Reise nach Griechenland und der Türkei
auf Befehl Ludwigs XVI. unternommen von C. S. Sonnini. Aus dem Französischen übersetzt ... von Ch. Weyland. Berlin 1801. (Magazin von merkwürdigen Reisebeschreibungen. 24)
K 150 (24)

Zeugnis des beginnenden Philhellenismus ist die Reisebeschreibung von Charles N. S. Sonnini (1751-1812). Dieser war als französischer Marine-Offizier von Louis XVI. nach Ägypten geschickt worden. Nach Abschluß der Reise beschloß er, auf eigene Faust nun noch Griechenland kennenzulernen. Über Zypern segelte er 1778 nach Rhodos und bereiste dann zwei Jahre lang die gesamte ägäische Inselwelt sowie einige Orte des Festlands.

Sonnini entwirft ein Bild vom edlen Griechen, dem schönen, geistreichen, gewandten Menschen, einem nur durch tiefste Unwissenheit und Aberglauben verzerrten Spiegelbild des antiken Hellenen. "Dieses interessante Volk seufzt unter dem drückenden Joch des stolzen und wilden Muselmannes; seine Sklaverei ist [...] uneingeschränkt und grenzenlos". Zwar glaubt er nicht, daß eine selbständige Befreiung der Griechen möglich sei, meint aber, daß sich bei Aussicht auf Erfolg, nämlich unter Beteiligung fremder Truppen, das ganze griechische Volk geschlossen gegen die Unterdrücker erheben würde.

Das Ottomanische Reich, dieser ungeheure und unförmliche Coloß, steht auf einem thönernen Fundament, und scheint im Begrif zu seyn, zusammen zu stürzen. Wahrscheinlich wird Griechenland, das jetzt noch unter dem Druck der allerschrecklichsten Tirannei seufzt, bald sich aus dem Staube erheben, und wenn auch nicht zu seinem ehemaligen Rang sich empor schwingen, doch seine Fesseln zerbrechen und wieder eine Stelle unter den übrigen Nationen einnehmen, zu denen es wegen seiner langen und tiefen Sklaverei nicht mehr hat können gerechnet werden.

13
A. L. Castellans Briefe über Morea, und die Inseln Cerigo, Hydra und Zante.
Aus dem Französischen übersetzt von Ch. Weyland.
Berlin 1809. (Magazin von merkwürdigen Reisebeschreibungen. 30)
K 150 (30)

Nur einen Ausschnitt seiner Reise beschreibt Antoine Laurent Castellan (1772-1838), der im Dezember 1796 mit einer französischen Abordnung als Zeichner zum Dockbau nach Konstantinopel reiste. Auf dem Hinweg wurden Kythera, Monemvasia auf der Peloponnes und die Insel Hydra angelaufen. Ein halbes Jahr später fuhr Castellan zusammen mit dem Ingenieur Leveillé zurück, durchquerte von Koroni aus Messenien und segelte weiter nach Zakynthos.

Castellan reist ohne spezifische Interessen, nimmt aber lebhaft Anteil an den Belangen der Bevölkerung. Er glaubt feststellen zu können, daß die Tradition der Griechen seit der Antike nicht abgerissen sei: wo sie sich den Türken entziehen könnten, seien sie die tätigsten Leute und zeigten viel Talent für die schönen Künste. "Endlich ist das innere Gefühl ihres alten Ruhms bei ihnen nicht verloschen; sie erinnern sich des Homer's; viele von ihnen lesen ihn, und noch erregen die großen Namen ihrer Vorfahren ihren Stolz und ihr Bedauern" - das ist natürlich eine Fiktion des Reisenden. Griechisches Nationalbewußtsein erkennt und beschreibt Castellan wohl, ergreift aber nirgends Partei für einen unabhängigen neugriechischen Staat.

14
Francois-René de Chateaubriand:
Itinéraire de Paris à Jérusalem et de Jérusalem à Paris. 3 Bände. - Brüssel 1826-1827.
F 598

In erster Linie war die literarische Reise des französischen Schriftstellers Francois-René de Chateaubriand (1786-1848), zuerst im Jahre 1811 veröffentlicht, eine Pilgerfahrt ins Heilige Land. Auf dem Wege dorthin besuchte Chateaubriand Griechenland, er "wollte die Musen in ihrer Heimat besuchen".

Von Paris im Juli 1806 abgereist, ließ er sich im August in Methoni auf der Peloponnes absetzen. Dort dingte er sich einen italienischen Zinnhändler als Dolmetscher und zog mit diesem weiter nach Sparta. Das war der Höhepunkt seines Griechenlandaufenthalts; die Erhabenheit der "erlauchten Trümmer" versetzte seine Seele in Aufruhr. Von Lakonien reiste er dann weiter nach Argos und Mykenai. Über Korinth, Megara und Eleusis kam er nach Athen und Sunion.

Bei Sonnenuntergang auf den Trümmern von Sunion sinniert Chateaubriand über das traurige Schicksal Griechenlands und seiner Bewohner und über die Gründe für den Verfall des alten Hellas. Dem Gedanken einer Befreiung Griechenlands steht er allerdings skeptisch gegenüber.

Ich fürchte aber auch, die Griechen werden sobald noch nicht in der Stimmung seyn, ihre Fesseln zu zerbrechen. Selbst wenn sie von dem Drucke, der auf ihnen lastet, befreit wären, würden sie doch nicht sogleich die Spuren ihrer Fesseln verlieren. Sie sind nicht nur unter der Last des Despotismus zermalmt worden, sondern sie leben schon seit zweitausend Jahren als ein veraltetes, herabgewürdigtes Volk.

Ein Lipper in Hellas

15
Ausflug nach Griechenland im Sommer 1860
von Dr. H. K. Brandes. Lemgo und Detmold 1861.
K 786
→ hier online

Bei der Meyerschen Hofbuchhandlung in Detmold erschien die Reisebeschreibung des Lemgoer Schulrektors Heinrich Karl Brandes, der im Sommer 1860 im Alter von 63 Jahren eine vierwöchige Reise nach Griechenland unternahm. Das Buch beginnt auf dem Athener Areopag und auf der Akropolis. Brandes absolvierte eine klassische Bildungsreise: besucht wurden Delphi mit dem Parnaß, Chaironeia, Plataiai, Theben und Marathon; daran an schloß sich ein Ausflug auf die Peloponnes nach Nauplia, Tiryns, Argos, Mykenai und Korinth. Brandes publizierte alle seine Sommerreisen der Jahre 1850 bis 1868 im Verlag der Meyerschen Hofbuchhandlung.

Im Königreich der Wittelsbacher

16
Reisen des Königs Otto und der Königinn Amalia in Griechenland.
Aufgezeichnet und gesammelt von Ludwig Roß. 2 Bände (in einem Band). - Halle 1848.
K 784

In den ersten Jahren seiner Regentschaft unternahm der 1832 gewählte König Otto von Griechenland mehrere Reisen in seinem Königreich, um "die Denkmäler und Erinnerungen der Vergangenheit wie die Zustände der Gegenwart, die Schönheiten seiner großartigen Natur wie die Lebensweise, Sitten und Denkart des Volkes durch eigne Anschauung möglichst genau kennen zu lernen". Ludwig Roß (1806-59), Archäologe und Oberkonservator der griechischen Altertümer, später Professor für Archäologie an der neugegründeten Athener Universität, gehörte dabei immer zur Begleitung.

Außer den Reisen Ottos und Amalies enthält das Buch auch eine Beschreibung der Reise Ludwigs von Bayern im Jahre 1836 nach den Kykladen, der Argolis und Korinth. Ludwig finanzierte die Ausgrabung eines Theaters auf Melos und wollte diese besichtigen.

17
Wanderungen in Griechenland im Gefolge des Königs Otto und der Königin Amalie.
Mit besonderer Rücksicht auf Topographie und Geschichte aufgezeichnet von Ludwig Roß. - Neue, wohlfeilere Ausgabe. 2 Bände (in einem Band). - Halle 1851.
K 4361 (aus dem Nachlaß des Lemgoer Schulrektors Brandes)

Am 15. September 1843 wurde nach der sogenannten Septemberrevolution, die aus der absoluten Monarchie in Griechenland eine konstitutionelle machte, wie alle Ausländer auch Ludwig Roß aus dem Staatsdienst entlassen. Er erhielt eine Professur in Halle, wurde aber noch zwei Jahre für wissenschaftliche Arbeiten in Griechenland freigestellt. Dem König Otto stand er weiterhin als Reisebegleiter zur Verfügung.

18
Reisen auf den griechischen Inseln des ägäischen Meeres.
Von Dr. Ludwig Roß. 3 Bände. Stuttgart und Tübingen 1840, 1843 und 1845.
(Reisen und Länderbeschreibungen der älteren und neuesten Zeit. 20. 25. 31)
K 158 (20. 25. 31)

Besonders intensiv widmete Ludwig Roß sich der Erforschung der ägäischen Inseln. Ein Konglomerat einzelner Reiseskizzen, von denen einige zuvor schon in Zeitungen erschienen waren, sind seine Inselreisen, die in drei Bänden 1840, 1843 und 1845 bei Cotta erschienen. Er habe die Form der Reisebeschreibung gewählt, schreibt Roß im Vorwort, "da mir der Vortheil nicht entging, Manches was der strengern Form einer historisch-geographischen Monographie sich nicht bequemt, und was doch vielleicht der Aufzeichnung nicht unwerth ist, unter diesem freiern Gewande mittheilen zu können".

Roß bemüht sich um Vollständigkeit der Nachrichten über die verschiedenen Inseln: wirtschaftliche, agrarische, kirchliche Verhältnisse, Geographie, Mineralogie, Biologie, Geschichte - besonders auch des Mittelalters - werden berücksichtigt, ebenso Tracht, Hausbau und Sprache der Bewohner. Vorrangiges Interesse haben natürlich die Altertümer. Roß sammelte Inschriften, die er in den Inscriptiones Graecae Ineditae publizierte, kaufte Altertümer und führte Grabungen durch.

19
Hermann Fürst von Pückler-Muskau:
Südöstlicher Bildersaal. 3 Bände. - Stuttgart 1840-1841.
K 279

Hermann Fürst von Pückler-Muskau (1785-1871), bekannt als Landschaftsgärtner und amüsanter Reiseschriftsteller, reiste 1836 in Griechenland. Ausgeprägte und ungenierte Subjektivität ist das Kennzeichen seines Südöstlichen Bildersaals, dessen erster Band in Nordafrika handelt und dessen zweiter und dritter Band seine Griechischen Leiden beschreiben. Deshalb gibt sich Pückler auch nicht als Verfasser zu erkennen: er versteckt sich hinter der Figur eines Herrn von Rosenberg.

Im zweiten Kapitel erzählt Pückler von seiner Tour durch Arkadien im Februar 1836. Durch dichten Schnee stieg er vom korinthischen Golf zum Kloster Megaspileon auf, wurde dort eingeschneit und mehrere Tage festgehalten. Das Kloster wird exemplarisch zum Gegenstand von Pücklers antiklerikaler Tendenz: die Mönche sind zerlumpt, Analphabeten, dazu von einer grenzenlosen Trägheit und Liederlichkeit; alles ist kaputt, überall Unrat, Gestank und eine alles durchdringende Feuchtigkeit: "kurz es übersteigt solche mehr als thierische Schweinerei allen Glauben, wie alle menschliche Erlaubniß".

Schließlich gelingt es, trotz tiefen Schnees zum Styx, dem Eingang zur Unterwelt, vorzudringen: "die Scene war, abgerechnet ihre Klassizität, auch an sich erhaben und prachtvoll". Eine Schlüsselstelle für Pücklers Griechenlandbild ist sein Resümmee dieses peloponnesischen Abenteuers: "Dem sey indeß, wie ihm wolle, ich kann doch mit Schillers Worten ausrufen: Auch ich bin in Arkadien gewesen! und gewiß werde ich nie in meinem Leben Schnee und Schmutz wiedersehen, ohne Arkadiens fröstelnd zu gedenken". Gegen jeden schwärmerischen Klassizismus setzt Pückler schroff das deprimierend Trostlose. Und um recht gründlich zu desillusionieren, übersteigert er manches bis ins Groteske. Sein Antiklassizismus ist das Zentrum seines Griechenlandbildes.

In Sparta faßte Pückler den Plan, ein Landgut mit ca. 1000 Morgen im Tal des Eurotas zu erwerben, sich dort anzusiedeln und eine große Gartenanlage zu gestalten. Im Herbst 1836 steckte er die Grenzlinien seines künftigen Besitzes ab, arbeitete einen Plan für den Park aus und fertigte Zeichnungen für einen Wohn-Pyrgos und ihn umgebende Gartenanlagen. Natürlich ist aus den hochfliegenden Plänen später nichts geworden.

Pückler übt scharfe Kritik an der griechischen Regierungspolitik: nur das Überflüssige wird getan, die wesentlichen Bedürfnisse bleiben unberücksichtigt, so wird z.B. eine Akademie der Künste und Wissenschaften gegründet, obwohl das Volk zunächst einmal alphabetisiert werden müßte. Große Ackerlandflächen in Staatsbesitz bleiben unbewirtschaftet und könnten doch an die zahllosen Flüchtlinge verteilt werden. Es werden hohe Steuern eingetrieben, ohne daß das Geld sichtbar sinnvoll verwendet würde. Alles sei in deutschen Beamtengehirnen erdacht und praktisch gar nicht umsetzbar. "Nachlässigkeit, Indifferenz und schläfriger Betrieb" kennzeichnen die bayerische Verwaltung.

20
Reisen und Forschungen in Griechenland
von Heinrich Nicolaus Ulrichs. Teil 1. - Bremen 1840.
K 783

Der Altphilologe Heinrich Nicolaus Ulrichs (1807-43) kam als Begleiter König Ottos 1833 nach Griechenland und wurde Lateinlehrer am neugegründeten Gymnasium in Aigina, das 1834 nach Athen verlegt wurde. 1837 wurde er Professor für Latein an der Universität Athen und hatte damit ein durchaus "schwieriges" Fach zu vertreten. Sein Reisebericht aus den Jahren 1837/38 gilt Delphi, dessen Altertümer ausführlich beschrieben werden, und Böotien. Als Otto 1843 gezwungen wurde, alle Ausländer aus dem Staatsdienst zu entlassen, mußte auch Ulrichs seinen Abschied nehmen. Er starb im selben Jahr in Athen am Fieber.

21
Bilder aus Griechenland.
Altes und Neues von Ludwig Steub. Leipzig 1885.
K 789

Ein Zeugnis fortschreitender Desillusionierung des philhellenischen Griechenlandbildes ist das Buch des humoristischen Reiseschriftstellers Ludwig Steub (1812-1888). Dieser war von 1834 bis 1837 als Regentschaftssekretär in Griechenland. 1884 besuchte er Griechenland noch einmal und gab anschließend eine überarbeitete Fassung seiner 1841 zuerst erschienenen Reisebeschreibung heraus. Sie wurde sogar ins Griechische übersetzt.

Die Reisebeschreibung schildert die Heimreise Steubs 1837, die Strecke von Athen bis Korfu. Die tatsächliche Reiseroute ist aber nur Vorlage für eine weitgehend fiktionale Erzählung. Zwei frei erfundene Kapitel über Das Banket in Corinth lassen den Erzähler auf weitere Heimreisende treffen: den Schreiber Schlafmütius, den Regentschaftssekretär Zöpfelmaier und den Aufschneider Dr. Rittersporn. Hinzu kommt ein vierter Fremder, Herr Fasel, der gerade neu nach Griechenland kommt mit der Einstellung: "Mein Glück soll nicht durch dieses Land, sondern vielmehr das Glück dieses Landes durch mich gemacht werden". Es kommt zu einer abstrusen Unterhaltung, in der die bayerischen Bürokraten sich immer mehr als bornierte Ignoranten entlarven.

Von klassizistischen Reminiszenzen unbelastet zeichnet Steub eine Vielzahl lebendiger Charaktere und Episoden des täglichen Lebens. Dabei entsteht ein sehr positives Bild von den Griechen als unverbildetem und aufgeschlossenem Volk.

22
Mittheilungen über Griechenland.
Von Christian August Brandis. 3 Bände. - Leipzig 1842.
G 273

Der Bonner Philosophieprofessor Christian August Brandis (1790-1867) kam 1837 als Kabinettsrat König Ottos nach Griechenland. Ergebnis seines zweijährigen Aufenthalts waren seine dreibändigen Mitteilungen über Griechenland. Im ersten Band versammelt er Reiseskizzen, berichtet von seinen Touren in Attika, der Argolis, einer Inselfahrt auf die Kykladen 1838 und der Reise mit dem griechischen Königspaar nach Nordgriechenland 1839. Der zweite Band ist eine historische Abhandlung zur Geschichte des griechischen Befreiungskrieges 1820-1827, der dritte Band enthält Blicke auf die gegenwärtigen Zustände des Königreiches, vornehmlich auf die neugriechische Literatur.