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Frühe Buchkultur Nordwestdeutschlands und der Niederlande

Ausstellung der Landschaftsbibliothek Aurich und der Lippischen Landesbibliothek Detmold
19.8. bis 20.9.1996 (Landschaftsbibliothek Aurich)
15.11. bis 20.12.1996 (Lippische Landes-Brandversicherungsanstalt, Detmold)

 

Kurzporträt: Landschaftsbibliothek Aurich

von Martin Tielke, Aurich

Ein präzises Gründungsdatum der Landschaftsbibliothek gibt es nicht. Anhand alter Bestände – Besitzvermerke und handschriftliche Einträge – läßt sich jedoch belegen, daß der Anfang der landständischen Administratorenbibliothek in der Zeit um 1600 lag. Dies paßt ins Bild der sich um diese Zeit als zweiter ostfriesischer Hoheitsträger konsolidierenden Stände („Emder Revolution“ 1595 und die daraus entstandenen Verträge). Die früheste schriftliche Quelle zur Geschichte der Landschaftsbibliothek ist ein – wahrscheinlich unvollständiges – Inventarverzeichnis von 1696. Es weist neben landesgeschichtlichen Titeln allgemein historische, theologische, geographische, Geschäfts- und Gebrauchsbücher sowie Karten nach. Ein erster Katalog ist aus dem Jahre 1797 überliefert. Er enthält 241 Titel, darunter 24 Periodica. Hier liegt der Schwerpunkt auf staatswissenschaftlicher, landeskundlicher und historischer Literatur.

Noch im ganzen 18. Jahrhundert war die Landschaftsbibliothek eine kleine, nichtöffentliche Gebrauchsbibliothek der landständischen Administratoren. Dies änderte sich zu Beginn des 19. Jahrhunderts, nach der napoleonischen Zeit, als die ostfriesischen Landstände ihre Aufgaben neu definierten. Neben ihrer Funktion als Gebrauchsbibliothek der Landschaft sollte die Bibliothek nun der ganzen ostfriesischen Öffentlichkeit zur Verfügung stehen. Das Erwerbungsprofil dieses Neuanfangs gilt im Prinzip bis heute: geisteswissenschaftliche Literatur mit dem Schwerpunkt Geschichte, wobei die Landesgeschichte und die der benachbarten Frieslande eine herausgehobene Bedeutung haben.

Zu einem größeren Ausbau der Landschaftsbibliothek kam es jedoch erst, als Anfang der 60er Jahre unseres Jahrhunderts ein erstes Bibliothekgebäude errichtet werden konnte. Sowohl aus funktionalen wie auch aus Gründen der Kapazität wurde dieses Gebäude im Laufe der 80er Jahre unzureichend. Die Ostfriesische Landschaft stellte daher 1988 einen Antrag auf Bibliotheksneubau beim Land Niedersachsen, der 1990 positiv beschieden wurde. Als Ergebnis eines von der Stadt Aurich finanzierten Architektenwettbewerbs – der Neubau der Stadtbibliothek war Teil der Aufgabenstellung – wurde in den Jahren 1993 bis 1995 die Landschaftsbibliothek neu gebaut, wobei der Magazinturm des alten Gebäudes weiterhin genutzt wird. Der Neubau bedeutet zugleich eine konzeptionelle Umstellung von einer reinen Magazin- zu einer (Teil-)Freihandbibliothek. Die architektonische Qualität des Baues hat inzwischen in den Fachzeitschriften weithin Aufmerksamkeit und Anerkennung gefunden.

Heute versteht sich die Landschaftsbibliothek als geisteswissenschaftlich orientierte Regionalbibliothek für Ostfriesland und Institutsbibliothek für die wissenschaftlichen Einrichtungen und Arbeitsgruppen der Ostfriesischen Landschaft. Der Buchbestand liegt bei ca. 106.000 Bänden, 630 Zeitschriften werden laufend gehalten. Der Freihandbereich bietet Platz für bis zu 40.000 Bände, ist aber noch nicht voll ausgebaut. Der Bestand ist durch einen Schlagwortkatalog undeinen systematischen Katalog erschlossen. Für den Sammelschwerpunkt „Ostfriesland“ gibt es einen separaten systematischen Katalog, in dem auch die unselbständige Literatur nachgewiesen ist. Für den wertvollstenTeil des Altbestandes („Von-Derschau-Bibliothek“) gibt es zudem einen chronologischen Katalog.

Die Landschaftsbibliothek ist an 32,5 Stunden in der Woche geöffnet; die Benutzung regelt sich analog zu derjenigen der landeseigenen wissenschaftlichen Bibliotheken. Seit 1987 ist die Landschaftsbibliothek dem Niedersächsischen Bibliotheksrechenzentrum in Göttingen angeschlossen und erledigt Katalogisierung und Fernleihe im Online-Verbund. Eine weiterführende Automatisierung im Rahmen eines gemeinsam mit der Fachhochschulbibliothek Emden und der Johannes a Lasco Bibliothek Emden betriebenen „Lokalen Bibliothekssystems“ sowie die Konvertierung der Zettelkataloge ist z. Z. in Arbeit. Seit Ende 1993 ist bei der Landschaftsbibliothek eine Fachstelle für die kommunalen Bibliotheken angesiedelt.