Sie befinden sich hier: Startseite » 


Graphiken aus Expressionismus und Moderne

Ausstellung in der Landesbibliothek vom 21.6.2018-4.9.2018

In der Graphischen Sammlung der Bibliothek befinden sich zahlreiche Lithographien, Holzschnitte und Radierungen von Künstlern des Expressionismus und der Moderne. Wir zeigen eine Auswahl an Stücken im Treppenhaus und zweiten Obergeschoss! 

Gezeigt werden unter anderem Werke von Ernst Barlach (1870-1938), Christian Rohlfs (1849-1938) und Karl Schmidt-Rottluff (1884-1976) sowie eine Gruppe von Radierungen von Käthe Kollwitz (1867-1945). Schon 1946 präsentierte die Landesbibliothek im Detmolder Palais das Werk der Künstlerin in einer Doppelausstellung zu Käthe Kollwitz und Gerhart Hauptmann. Dabei zeigte sie fast ausschließlich Graphiken aus der Kollwitz-Sammlung des damaligen Detmolder Bibliothekars Alfred Bergmann (1887-1975).

18. Käthe Kollwitz, Selbstbildnis 1916, Postkarte, Signatur: SW 652a

1. Ernst Barlach, Der Mann mit dem Messer (1926)
Lithographie
Signatur: Graphische Sammlung, Mappe 25, 7

2. Ernst Barlach, Selbstbildnis (1928)
Lichtdruck
Signatur: Graphische Sammlung, Mappe 52, 20

3. Alois Kolb, Vollmond (Liebespaar und Tod) (1913)
Radierung
Signatur: Graphische Sammlung, Mappe 47, 3

4. Edwin Scharff, Familie am Meer (1917/1918)
Radierung
Signatur: Graphische Sammlung, Mappe 52, 15

5. Karl Schmidt-Rottluff, Bei den Netzen (1914)
Holzschnitt
Signatur: Graphische Sammlung, Mappe 44, 10

6. Christian Rohlfs, Rückkehr des verlorenen Sohnes (1916)
Holzschnitt
Aus dem Nachlass Christian Rohlfs
Signatur: Graphische Sammlung, Mappe 44, 9

7. Oskar Kokoschka: Furcht und Hoffnung
(Der Mann tröstet das Weib) (1914/1916)
Radierung
Signatur: Graphische Sammlung, Mappe 44, 12

8. Karl Hofer, Zwei nackte Jungen mit Ball (1921/1923)
Lithographie
Signatur: Graphische Sammlung, Mappe 52, 8

18. Käthe Kollwitz: "Mütter gebt von eurem Überfluß!", 1926, Postkarte,
Signatur: SW 391i

9. Käthe Kollwitz, Selbstbildnis mit Hand an der Stirn (1910)
Radierung, Abzug vermutl. nach 1945
Signatur: Graphische Sammlung, Mappe 25, 1

10. Käthe Kollwitz, An der Kirchenmauer (1893)
Radierung, Abzug vermutl. nach 1945
Signatur: Graphische Sammlung, Mappe 25, 3

11. Käthe Kollwitz, Die Gefangenen (1908)
(Aus dem Zyklus Bauernkrieg, 1908)
Radierung, Abzug, vermutl. nach 1945
Signatur: Graphische Sammlung, Mappe 25, 6

12. Käthe Kollwitz, Weberzug
(Aus dem Zyklus Weberaufstand, 1893-1897)
Radierung, Abzug vermutl. nach 1945
Signatur: Graphische Sammlung, Mappe 25, 5

13. Käthe Kollwitz, Überfahren (um 1910)
Vernis-mou-Radierung
Signatur: Graphische Sammlung, Mappe 47, 4

14. Käthe Kollwitz, Beratung (1893)
Radierung, Abzug vermutl. nach 1945
Signatur: Graphische Sammlung, Mappe 25, 2

15. Käthe Kollwitz, Mutter mit Kind (1910)
Radierung, Abzug vermutl. nach 1945
Signatur: Graphische Sammlung, Mappe 25, 4

Alfred Bergmann war ein Literaturwissenschaftler und Bibliothekar. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts hatte er eine bedeutende Grabbe-Sammlung aufgebaut, die er 1938 an die Lippische Landesbibliothek verkaufte. Er war von 1938-1952 an der Bibliothek tätig und leitete das Grabbe-Archiv. Doch Bergmann erwarb nicht nur Dokumente zu Grabbe, sondern auch Kunst bzw. Graphiken des Expressionismus und der Moderne. Briefe aus seinem in der Landesbibliothek liegenden Nachlass geben Zeugnis seiner Sammeltätigkeit.
Der Briefwechsel mit Alexander von der Becke (Slg 12, 74) ist in dieser Beziehung aufschlussreich. Von der Becke eröffnete 1931 den Verlag des graphischen Werks von Käthe Kollwitz in Berlin. Nachdem sein Geschäft 1941 von der Gestapo geschlossen wurde, nahm er seine Tätigkeit nach dem Zweiten Weltkrieg wieder auf. Aus der Konkursmasse der Galerie Emil Richter in Dresden hatte von der Becke nicht nur Graphiken, sondern auch Druckplatten von Kollwitz übernommen. Nach dem Krieg verkaufte er aus diesem Bestand und veröffentlichte posthum hergestellte Abzüge von diesen Platten. Fast alle gezeigten, unsignierten Kollwitz-Radierungen stammen aus dem Verlag von der Becke. Alfred Bergmann hat diese Kollwitz-Graphiken 1946 erworben. Vermittelt der Briefwechsel zunächst noch den Eindruck, als kaufe Bergmann ausschließlich im privaten Interesse, so belegen die Einträge im Inventarbuch der Landesbibliothek von 1946, das er auch für die Bibliothek erworben hat.

18. Käthe Kollwitz: Plakat der internationalen Arbeiterhilfe, 1924, Postkarte,
Signatur SW 652a

Alfred Bergmann veranstaltete schon im Jahr 1946 eine Käthe-Kollwitz-Ausstellung in Detmold. Von den Planungen zeugt der Briefwechsel mit Alexander von der Becke (Slg 12, 74). Er gibt darüber hinaus Einblicke in die Kulturlandschaft in Ostwestfalen-Lippe nach dem Zweiten Weltkrieg. Auf Bergmanns Ankündigung, er plane eine Kollwitz-Ausstellung in Detmold, schreibt von der Becke am 2.1.1946 an Bergmann: „Nun erhalte ich gerade vom Leiter des Kunsthaus Bielefeld Dr. Heinz Becker die Nachricht, daß er wieder im Amt ist und gleichfalls eine Kollw.-Ausstellung vorbereitet. […] Vielleicht können Sie sich mit ihm in Verbindung setzen u. gemeinsam eine Kollektion aufstellen, die dann in Detmold und Bielefeld nacheinander gezeigt werden kann.“ Zu einer gemeinsamen Ausstellung kam es nicht, und so sind im Juli 1946 in Ostwestfalen-Lippe gleich zwei Kollwitz-Ausstellungen zu sehen. Bergmann vergleicht die beiden Ausstellungen im Brief an von der Becke vom 28. Juli 1946 – nicht ganz frei von Lob für die eigene Arbeit: „Es ist mir natürlich sehr interessant gewesen, die beiden Ausstellungen miteinander zu vergleichen. Dass die Bielefelder der unseren überlegen sein würde, stand von vornherein fest. Schon die schönen weiten Räume in der Oetker-Halle waren dem Zwecke weit geeigneter als die beiden verhältnissmässig kleinen, die wir mit Mühe und Not im Palais in Detmold freibekommen hatten. Es ist ein grosser Mangel Detmolds, dass es keine geeigneten Ausstellungsräume besitzt, zumal der grosse Theatersaal, da von der englischen Luftwaffe beschlagnahmt, ausfällt. Gleichwohl glaube ich, mit den Räumen gemacht zu haben, was zu machen war, und was die Komposition angeht, so möchte ich unserer Ausstellung den Vorzug vor der Bielefelder geben, deren Plan mir nicht durchaus klar genug zu sein schien.“ Die von der Landesbibliothek im Palais gezeigte Ausstellung, die eigentlich eine Doppelausstellung zum Werk von Käthe Kollwitz und Gerhart Hauptmann war, zeigte Bergmanns Kollwitz-Sammlung, die immerhin aus „60 Blättern“ Bestand. 

16. Angekündigter Auktionsbesuch Bergmanns in einem
Brief an das Auktionshaus Hauswedell 1945 (masch. Durchschlag)
Detmold, 21.9.1945
Signatur: Slg 12, Nr. 495

17. Eigenhändige Postkarte von Käthe Kollwitz an Alfred Bergmann
o.O., 12.2.1923
Signatur: Slg 12, Nr. 224

18. Drucke und Postkarten aus dem Verlag von der Becke
(SW 1755.4°, SW 625, 625 a, SW 391 i)

19. Brief von Alexander von der Becke an Alfred Bergmann
Berlin, 2.1.1946
Signatur: Slg 12, Nr. 74

20. Brief von Alfred Bergmann an Alexander von der Becke
(masch. Durchschlag)
Detmold, 28.7.1946
Signatur: Slg, Nr. 74

21. Programmheft und Einladung zur Detmolder
Kollwitz-Ausstellung 1946
Signatur: Slg 12, Nr. 532

22. Programmheft zur Ausstellung „Käthe Kollwitz“
in Bielefeld 1946
Reproduktion, Stadtarchiv Bielefeld

23. Ausschnitt aus dem Westfalen Blatt vom 19. Juli 1946
Reproduktion, Stadtarchiv Bielefeld

24. Käthe Kollwitz – Gerhart Hauptmann. Neue Ausstellung…
Reproduktion, Freie Presse, Nr. 20, 10.7.1946, S. 3.
Signatur: LZ 142.2°

25. Ausstellung zum Gedächtnis…
Reproduktion, Westdeutsches Volks-Echo,
Nr. 20, 12.07.1946, S. 4.
Signatur: LZ 141.2°

26. Käthe Kollwitz – Gerhart Hauptmann. Eine Ausstellung…
Reproduktion, Westfalen-Zeitung, Nr. 35, 12.7.1946, S. 5.
Signatur: LZ 140.2°