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Die Lippische Landesbibliothek

von Karl-Alexander Hellfaier

Druckfassung in: Lippe und sein Landesverband. Hg. im Auftrage des Landesverbandes Lippe von Arnold Ebert. Detmold 1969, S. 148-158.

[Der Übersichtlichkeit halber wurden die Bilder von Stücken aus dem Bestand mit ihren erläuternden Texten für diese Online-Fassung ans Ende gestellt, nummeriert, und, wenn möglich, durch farbige Bilder ersetzt.]

Palais des Prinzen Woldemar, seit 1886 Lippische Landesbibliothek (1 D 41)
Lesesaal der Lippischen Landesbibliothek

Die Lippische Landesbibliothek reicht in ihren Anfängen bis auf das Jahr 1614 zurück. Sie ist wie fast alle Landesbibliotheken gräflichen Ursprungs und älter als manche große Universitätsbibliothek. Von der Fürstin Pauline der öffentlichen Benutzung zugänglich gemacht, behauptet sie heute im westfälisch-lippischen Raum nach den Universitätsbibliotheken Münster und Bochum und der Stadt- und Landesbibliothek Dortmund, die eine rein kommunale Einrichtung ist, mit über 235.000 Bänden, 745 Zeitschriften, 90 Inkunabeln, 183 Handschriften und 5057 Autographen den vierten Platz. Sechseinhalb Kilometer lang wäre die Bücherfront, stellte man ihren Besitz Buch für Buch nebeneinander auf.

Als wissenschaftliche Allgemeinbibliothek, die im Rahmen ihrer finanziellen Möglichkeiten alle Wissensgebiete berücksichtigt, dient sie dem Studium, der Lehre und der Forschung in ähnlicher Weise wie die Universitätsbibliotheken. In Erfüllung ihrer sozialen Aufgabe steht sie aber auch allen offen, die sich geistig und beruflich weiterbilden wollen. Die Zusammensetzung ihrer Leserschaft zeigt, daß sie in der Tat der sozialen Wirklichkeit ihrer Landschaft gerecht wird und alle Bildungsschichten zu ihren Benutzern zählt: Dozenten und Privatgelehrte, Lehrer, Schüler und Studenten, Heimatforscher und Politiker, Handwerker und Angestellte, Arbeiter und Beamte, an die jährlich über 35.000 Bände ausgeliehen werden, eine Zahl, die ständig im Steigen begriffen ist.

Die weltweite Wirkung der Detmolder Bibliothek demonstriert aber der auswärtige Leihverkehr, durch den im gleichen Zeitraum rund 9.000 Bände an andere Bibliotheken des In- und Auslandes versandt werden. Es gibt aber auch kein Buch auf dem Erdball, das die Lippische Landesbibliothek für ihre Benutzer nicht besorgen könnte. Ihren Rang und Ruf in der wissenschaftlichen Welt verdankt sie ihren allgemein bekannten alten Buchbeständen, die den Krieg überstanden haben und weitgehend Unika-Wert besitzen. Zu ihren Kostbarkeiten zählt sie die lateinische Bibel aus dem Kloster Berich in Waldeck, die um 1250-1270 datiert wird, Jacob van Maerlants „Der Naturen Bloeme“, das sogenannte „Bestiarium“, ein didaktisches Gedicht mit etwa 1660 gereimten Versen in altflämischer Sprache um 1287-1290, Engelbert Kämpfers Stammbuch, eine Abschrift des Sachsenspiegels Eike von Repkows aus dem Jahre 1408, deren Existenz der Wissenschaft bisher noch nicht bekannt geworden ist, und ein liturgisches Handbuch aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts, um nur einige zu nennen.

In ihrer Eigenschaft als Landesbibliothek aber sammelt sie das gesamte Schrifttum, das sich auf Lippe bezieht: Untersuchungen und Darstellungen, Festschriften von Firmen und Werken, von Schützen-, Turn- und Gesangsvereinen, von Behörden und was es sonst noch an Privatdrucken gibt. Sie ist der legitime Standort der „Lippischen Bibliographie“ und seit Januar dieses Jahres die Abgabebibliothek für die Amtsdrucksachen im Regierungsbezirk Detmold. Weit über Deutschlands Grenzen bekannt ist ihr „Grabbe-Archiv Alfred Bergmann“, beachtlich aber auch ihre anderen landeskundlichen Sammlungen: das Lortzing-Archiv, die Freiligrath- und Bandel-Sammlung, die umfangreichen Bestände der Musikabteilung und die großartige Sammlung lippischer Zeichnungen prägen in einem besonderen Maße das Profil der Detmolder Bibliothek. Eine Sozial- und Zeitgeschichtliche Sammlung ist im Aufbau begriffen.

Im Lesesaal steht dem Benutzer eine Handbibliothek mit den wichtigsten Nachschlagewerken, Lehr- und Handbüchern aller Fachgebiete, Lexika und Wörterbüchern mit rund 2.500 Bänden zur Verfügung. Im Zeitschriftenlesesaal liegen fast 250 Zeitschriften mit ihren letzten Nummern aus. Ein besonderer Raum ist für Musikinteressenten eingerichtet. In der Fotostelle werden Mikrofilme und andere Kopien angefertigt. Zur Bibliotheksausstattung gehört ein Lesegerät. Neuerwerbungslisten, die zweimal im Jahr erscheinen, werden an jeden Interessenten kostenlos abgegeben. Bei besonderen Anlässen gibt die Bibliothek Kataloge und andere Literaturverzeichnisse heraus.

Ein neuer Magazinbau mit einem Fassungsvermögen von rund 300.000 Bänden wurde vor einigen Jahren zum Abschluß gebracht.

In unmittelbarer Nähe der im Aufbau begriffenen Universität Bielefeld gelegen, werden der Bibliothek in Zukunft um so mehr besondere Aufgaben erwachsen, als sie schon heute im studentischen Bereich bis nach Paderborn und Bielefeld direkt ausstrahlt, Städte, die Sitz verschiedener Hoch- und Fachschulen sind.
Anfragen und Dankschreiben aus den USA, Mexiko, Australien, England, Holland, Frankreich und den Ostblockstaaten gehören zu ihren Korrespondenzen. Keine zweite Stadt Deutschlands von der Größe Detmolds besitzt ein Kulturinstitut von dem Umfang und der Leistungsfähigkeit, wie es die Lippische Landesbibliothek darstellt. Sie ist die bedeutendste Büchersammlung in Ostwestfalen-Lippe und das vornehmste Bildungsinstitut dieser Landschaft überhaupt.

Das Bild zeigt die Koppelung des im Jahre 1966 fertiggestellten Büchermagazins mit dem um 1840 erbauten Gebäude, in dem sich die Bibliothek seit 1886 befindet. Dem Magazin vorgelagert sind ein Lastenaufzug, zwei Bücheraufzüge und für jedes der sechs Geschosse ein Magazinarbeitsraum.

Ein neuer Magazinbau mit einem Fassungsvermögen von rund 300.000 Bänden wurde vor einigen Jahren zum Abschluß gebracht.

In unmittelbarer Nähe der im Aufbau begriffenen Universität Bielefeld gelegen, werden der Bibliothek in Zukunft um so mehr besondere Aufgaben erwachsen, als sie schon heute im studentischen Bereich bis nach Paderborn und Bielefeld direkt ausstrahlt, Städte, die Sitz verschiedener Hoch- und Fachschulen sind.
Anfragen und Dankschreiben aus den USA, Mexiko, Australien, England, Holland, Frankreich und den Ostblockstaaten gehören zu ihren Korrespondenzen. Keine zweite Stadt Deutschlands von der Größe Detmolds besitzt ein Kulturinstitut von dem Umfang und der Leistungsfähigkeit, wie es die Lippische Landesbibliothek darstellt. Sie ist die bedeutendste Büchersammlung in Ostwestfalen-Lippe und das vornehmste Bildungsinstitut dieser Landschaft überhaupt.

[Bilder]

Der Vorläufer des Lippischen Landestheaters ist das im 18. Jahrhundert gegründete Hoftheater. Die alten Theaterakten, Rollen-, Gagen- und Regiebücher, Programme, Abonnentenverzeichnisse und reiches Notenmaterial befinden sich in der Lippischen Landesbibliothek

Lortzings Detmolder Gagenbuch von 1826 (Theaterakten)
Lortzings Detmolder Gagenbuch von 1826 (Theaterakten)
Albert Lortzing war von 1826 bis 1833 Singschauspieler am Detmolder Theater

Lateinischer Bibelcodex aus dem Kloster Berich in Waldeck. Um 1250-1270. Die Abbildung zeigt Bl. 182v Initiale B mit König David. (Mscr 1)
Jacob van Maerlant (um 1235-1300), "Der Naturen Bloeme"". Die Handschrift entstand um 1287-1290 und war später im Besitz des Detmolder Bürgermeisters Christoph Smerheim, 1550-1584. J. van Maerlant ist ein Schüler des Albertus Magnus (gest. 1280 in Köln). Die Abbildung zeigt Bl. 29v und Bl. 30r. (Mscr 70)
Aeneas Sylvius (Papst Pius II. Epistulae familiäres. Nürnberg 1481. Die Abbildung zeigt Initial I. (Ph 125)

Hochzeitsglückwünsche zur Vermählung des Hochgräflich Schaumburg-Lippischen Rats Ernst Casmir Wasserbach mit der Jungfer Catharina mari Tilheln am 15. Juni 1702. (V 68)
K 943
Das Reisetagebuch des Lemgoer Forschungsreisenden Engelbert Kaempfer (1651-1716) enthält Eintragungen mit z.T. unbekannten asiatischen Idiomen. Das Bild zeigt das Blatt 236. (Mscr 124)

Den Grundstock zur Freiligrath-Sammlung der Lippischen Landesbibliothek legte der Dichter selbst, als er 1862 der Bibliothek acht Gedichtmanuskripte, "Brouillons", wie er sie nannte, schenkte. FrS 178a
Das Grabbe-Archiv besteht aus Manuskripten, Druckwerken, Handzeichnungen, graphischen Blättern und Plastiken. Es enthält die deutsche und Teile der der französischen und englischen Literatur von der ausgehenden Aufklärung bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts und ist für die Erforschung der deutschen Literatur in der ersten Hälfte dieser Epoche die bedeutendste Sammlung und Arbeitsstelle. GAMs 245
Zu der bereits vorhandenn Lortzing-Sammlung wurde 1968 der persönliche Nachlass des Komponisten erworben, der sich bis dahin in Familienbesitz befand. Lortzing: Der Löwe von Kurdistan. Eigenhändige Handschrift 1831.

Die Bandel-Sammlung der Lippischen Landesbibliothek enthält außer der Urschrift der Lebenserinnerungen Ernst von Bandels den Briefwechsel mit Gattin und freunden, Schriftsätze und Arbeiten über das Hermannsdenkmal, Zeichnungen, Literatur über Bandel und das Denkmal, Bandel-Bildnisse und Abbildungen des Hermannsdenkmals. (Ba H 1)