Heute kann sich das niemand mehr vorstellen: Afrika war noch um die Mitte des letzten Jahrhunderts ein weitgehend unbekannter Kontinent. Überaus strapaziöse Expeditionen waren erforderlich, um die Flußläufe und Wüstenstraßen im Innern des Kontinents zu erkunden und festzustellen, ob sie als Handelswege nutzbar seien. Eine Vielzahl der Expeditionsteilnehmer starb an Tropenfieber, Hunger und Durchfallerkrankungen, wurde von den Eingeborenen ermordet oder im Kampf getötet. Die Überlebenden einer Expedition konnten berichten über Gewässersysteme und Wüstengegenden, waren aber zuvor jahrelang von jeder Kommunikationsmöglichkeit abgeschnitten.
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Als Henry Morton Stanley 1877 von der afrikanischen Ostküste aus über den Victoria- und den Tanganjikasee in die tropische Zone vorstieß und mit Kanus den Lualaba hinabfuhr, wußte er noch nicht, ob er an der Kongo- oder an der Nilmündung wieder auftauchen würde. Er brauchte drei Jahre für die 11.519 Kilometer zwischen Sansibar und der Kongomündung und verlor unterwegs die Hälfte seiner Begleiter. Heute geben Satellitenbilder detailliert Aufschluß über die geographischen Verhältnisse in Afrika, Innerafrika ist mit dem Flugzeug in wenigen Stunden zu erreichen, und aus der Wüste kann man mit dem Handy nach Hause telefonieren. |
| Henry Morton Stanley in Afrika |
Die Lippische Landesbibliothek präsentiert in den Sommermonaten 1999 im Rahmen des Detmolder Projekts Afrika. Kult und Visionen bemerkenswerte Drucke zum Thema Afrika aus ihrem alten Buchbestand. Niemand schrieb damals Bücher über die Geschichte und die Kultur der afrikanischen Völker. Der Forschungseifer der europäischen Entdecker richtete sich allein auf die geographische Erschließung des Kontinents und ist nicht zu trennen von den wirtschaftlichen Interessen ihrer Auftraggeber, die Afrika als Reservoir von Rohstoffen und billigen Arbeitskräten betrachteten. Die Geschichte der Erforschung Afrikas durch reisende Europäer ist zugleich auch die Geschichte seiner Eroberung und Ausbeutung.
Zu sehen sind Werke des 17., 18. und 19. Jahrhunderts: Karten und Atlanten, Reisebeschreibungen, Forschungsberichte und Tafelwerke, die auch etwas zum Anschauen bieten. Zu den ältesten Büchern gehören eine hollädische Beschreibung der Goldküste von Guinea aus dem Jahr 1602, die Africae descriptio des arabischen Forschungsreisenden Leo Africanus in einer Ausgabe von 1632 und Oliver Dappers Umbständliche und eigentliche Beschreibung von Africa von 1670 mit Kupferstichen afrikanischer Trachten, Landkarten und Stadtansichten. Reiseberichte aus Südafrika, das seit Gründung der Kapkolonie 1652 von Europäern besiedelt wurde, stammen bereits aus dem 18. Jahrhundert. Natürlich werden auch die Forschungsberichte berühmter Afrikareisender des 19. Jahrhunderts gezeigt, etwa die Reiseaufzeichnungen von Mungo Park, Heinrich Barth, Gerhard Rohlfs, Gustav Nachtigal, David Livingstone und Henry Morton Stanley.
Die Ausstellung ist montags, dienstags, mittwochs und freitags von 10 bis 18 Uhr, donnerstags von 10 bis 20 Uhr in den Räumen der Bibliothek, Hornsche Straße 41, zu sehen.
Der Ausstellungskatalog in Papierform ist in der Lippischen Landesbibliothek unter der Signatur 14 L 5999 vorhanden und wird auf Wunsch im Leihverkehr der Bibliotheken weltweit versandt. Eine pdf-Version des Kataloges ohne Bilder finden Sie hier.
Last update: 25.10.04
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