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Wir laden ein: Nordamerika in den 1830ern: Ein Maler und seine neuen Bilder von den „Rothäuten“

von Julia Hiller von Gaertringen • 20.01.2009

Donnerstag, 29. Januar 2009, 19.30 Uhr: Lesung aus George Catlins „Die Indianer Nordamerikas“. 4. Teil der Lesereihe „Abenteurer, Forscherinnen und Entdecker“, mit Frank Meier.


George Catlin bereiste von 1831 bis 1839 vornehmlich die Plains, das weite Grasland im Westen Nordamerikas. Dort traf er auf jene indigenen Völker, wie z.B. die Sioux, die Cheyenne und die Blackfeet, die bis heute die Vorstellung vom „echten Indianerleben“ prägen. Sein ausführlicher Reisebericht und die vielen farbigen Zeichnungen, die er auf seiner Reise anfertigte, kreisen um das Leben in Wigwams und Tipis, um die Bisonjagd, um das Rauchen der Friedenspfeife und all die anderen Aspekte, die auch Europäer von Kindesbeinen an mit den Indianern verbinden.

George Catlin lieferte jedoch mehr als das allgemein Bekannte. Seine Darstellung des Alltags auf den Plains ist so detailreich und präzise, dass er nicht nur manche Vereinfachung und manches Vorurteil der damaligen Leser entkräften konnte. Als Erster erkannte er die Kulturen auf den Plains als komplexe Zeichensysteme, d.h. er beschrieb die Formen der Kleidung, die verschiedenen Formationen der Kreistänze, den Schmuck der Tipis nicht als beliebigen Ausdruck des Lebens exotischer „Wilder“, sondern als Ausdruck einer respektablen Kultur.

George Catlin wollte für das Verständnis der indigenen Kultur werben. So stellte er zuweilen gar die aus heutiger Sicht abwegige These auf, die indigene Kultur sei historisch mit der jüdisch-christlichen verwandt, um so zu ihrer Legitimation beizutragen. An anderen Stellen verfällt er dann doch dem Klischee des „edlen Wilden“, von dem Ursprünglichkeit und Naturverbundenheit zu erlernen sei. Auch dies geschah, um größtmöglichen Respekt seitens der amerikanisch-europäischen Kultur zu erzeugen.

George Catlin unternahm dies in dem Bewusstsein, dass die indigene Kultur vom Untergang bedroht sei. Er hatte Recht. In den Jahrzehnten nach seiner Reise begann die systematische Vertreibung und Vernichtung der Plains-Kulturen im Westen, der zu Catlins Zeit  noch nicht einmal von US-Amerikanern besiedelt war.

George Catlins „Die Indianer Nordamerikas“ wird im zweiten Teil der Lesung durch Auszüge aus dem Bericht „Reise in das innere Nordamerika 1832-1834“ von Prinz Maximilian zu Wied-Neuwied ergänzt. Der deutsche Ethnologe bereiste mit einer kleinen Gruppe zeitgleich zu Catlin den Norden Amerikas und beschrieb das Leben der Plains-Indianer. Einer seiner Gefährten war der Schweizer Maler Karl Bodmer, dessen Gemälde in kaum einer illustrierten Darstellung der indigenen Kultur fehlen, auch wenn der Text des deutschen Prinzen zu Wied  fast in Vergessenheit geraten ist.

Die Lesereihe Abenteurer, Forscherinnen und Entdecker

Jede Veranstaltung legt den Schwerpunkt auf eine andere Region der Welt und beschäftigt sich mit einer anderen Epoche des Reisens. Die Zuhörer werden dennoch Lesung für Lesung auf Gemeinsamkeiten in den jeweiligen Texten stoßen.

Veranstaltungsort ist der Vortragssaal der Lippischen Landesbibliothek. Der Eintritt beträgt 8 €, inkl. Wein und Imbiss. Die Teilnehmerzahl ist begrenzt. Bitte melden Sie sich an unter 05231/92660-0 oder unter llbmail(at)llb-detmold.de.


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