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Pauline schreibt -- neue Briefe im Bestand

von Joachim Eberhardt • 27.08.2021

Fürstin Pauline nach Rinklake (Original: Lippisches Landesmuseum)

Aufgrund glücklicher Umstände konnten wir jüngst vier Briefe der Fürstin Pauline erwerben. Die sind natürlich gleich gescannt und auch transkribiert worden. Die Briefe haben den gleichen Adressaten, nämlich den Pfarrer Johann Friedrich Karl Plesmann (1770-1843), der von 1796-1810 in Meinberg tätig war. 

Die Briefe transkribiert hat unsere Pauline-Expertin Christine Rühling, von der die folgenden Erläuterungen stammen:

»Die vier Briefe Paulines deuten auf verschiedene Aspekte ihres Regierens und auch persönlichen Engagements hin.

Im ersten Schreiben sagt die Fürstin ihm die Unterstützung bei der Einrichtung einer Erwerbschule in Meinberg und damit einhergehend die Anschaffung verschiedener Arbeitsgegenstände (Strickstöcke, Wolle) zu. Diese Bereitschaft zur finanziellen Beteiligung ist Ausdruck von Paulines an der Aufklärung geschulten Überzeugung, dass der einfachen Bevölkerung grundlegende Fähigkeiten und Arbeitsfleiß vermittelt werden muss.

Siehe Autogr 536,1:


Wie sehr Pauline bis ins kleinste Detail die Angelegenheiten in ihrem Staat „managte“, verdeutlicht der zweite Brief, in dem sie sich um ein „neues Korbbett für Busche in Horn“ einsetzt. Man könnte denken, eine Fürstin hätte besseres zu tun. Solch „Vielregierei“, also die persönliche Aufmerksamkeit auf noch so kleine Angelegenheiten zu lenken, war typisch für absolutistisches Regieren in Kleinstaaten um 1800.

Siehe Autogr 536,2:


Eher persönlichen Anteil an Krankheiten und nicht näher benannten „Prüfungen“ im familiären Umfeld Plesmanns nimmt Pauline im dritten Brief. Obwohl sie einer an sie gerichteten Bitte nicht nachkommen kann, unterstützt sie ihn vorerst durch einen Geldbetrag.

Siehe Autogr 536,3:


Der vierte Brief gibt ein lebendiges Zeugnis davon, wie neue Ideen im höfischen Umfeld zirkulieren. Plesmann hatte Pauline offensichtlich einen Aufsatz zur „Nationalbildung“ zugesendet, in der Erwartung, dass dieser auf ihr Interesse stoßen würde. Und er hatte nicht unrecht: Pauline zeigt sich erfreut, behält ihn gleich („Um vieles daraus zu nützen und gradlich anzuwenden bemächtige ich mich Ihres Aufsatzes und betrachte ich ihn als Geschenck.) und leitet ihn zur Lektüre an ihre Verwaltungsbeamten weiter.

Siehe Autogr 536,4:

Und das Bild? Benutzt das Rinklake-Porträt aus dem Lippischen Landesmuseum.


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