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Hoftheatergeschichten: Wann kommt „Cosi fan tutte“ in den Bestand?

von Joachim Eberhardt

Im Notenbestand des fürstlichen Hoftheaters ist mit der Signatur Mus-n 156 handgeschriebenes Aufführungsmaterial zu Mozarts Così fan tutte überliefert. Es stammt aus Nikolaus Simrocks Kopistenbetrieb in Bonn, wie auf der Titelseite der Partitur vermerkt und auch im RISM notiert ist. RISM meint auch, die Abschrift sei zwischen 1810 und 1820 erstellt. Kürzlich erreichte uns eine Anfrage von John D. Wilson vom Institut für Musikwissenschaft der Universität Wien, der für das in Vorbereitung befindliche Buch The Operatic Library of Elector Maximilian Franz (wird im Verlag des Beethoven-Hauses in Bonn erscheinen, hier die Webseite zum Projekt) ein Unterkapitel über Simrocks Kopistenbetrieb schreibt. Wilson wollte wissen, ob das Papier ein Wasserzeichen zeige und ob etwas über die Erwerbung der Handschrift bekannt sei. Das Wasserzeichen auf dem Foto oben konnte Wilson zuordnen; er schrieb:

... es kommt darauf an, ob sich das Gegenzeichen „I.C. Imhof“ oder „H Blum“ liest, aber beide Papiersorten wurden in Bonn in den Jahren 1789–1792 verwendet, die erste ca. 1789–1791 und die zweite ca. 1790–1792. ... Den Schreiber erkenne ich auch als einer von denen, die in seinem Kopistenbetrieb um 1790 gearbeitet hat. Die Partitur ist also bestimmt vor 1794 in Bonn hergestellt worden.

Daraus ergibt sich die Frage, wie und wann eine vor 1794 entstandene Handschrift ihren Weg nach Detmold gefunden haben kann. Dummerweise legt sich keine einfache Antwort nahe. Ich halte es für ausgeschlossen, dass der Detmolder Hof die Handschrift in den 1790er Jahren in Bonn gekauft hat; es gab am Hof schließlich keine festangestellten Musiker und keine Schauspieler. Die Hofmusik hat bekanntlich erstmals Fürstin Pauline mit der Einrichtung eines Hautboistenkorps 1803 eingerichtet. Theater gab es im Detmolder „Komödienhaus“ nur durch durchreisende Truppen, die ihr eigenes Material mitgebracht haben werden.

Es ist denkbar, dass der Prinzipal der Truppe August Pichler bei der Einrichtung nach dem Bau des Hoftheatergebäudes 1825 etwas mitbrachte an Besitz; er hatte bei seiner Festanstellung seinen Fundus dem Theater zur Verfügung zu stellen. Pichler war in Wien 1771 geboren, hatte Buchdrucker gelernt und, von Kotzebue entdeckt, den Weg zum Theater gefunden (wie Peters sich in seiner Hoftheatergeschichte ausdrückt). Pichler habe "nach Streifzügen durch Österreich und Süddeutschland" "um die Jahrhundertwende" drei Jahre als Hofbuchdrucker in Bayreuth zugebracht. Danach habe er die Theaterleitung in Bayreuth und in Bamberg übernommen; erst 1810 sei er mit einer eigenen Truppe zum erstenmal auch nach Norddeutschland gekommen.

Ob es realistisch ist anzunehmen, dass Pichler das Aufführungsmaterial früher erwarb und nach Detmold mitbrachte? Aber warum hat es dann keine anderen Besitzkennzeichen außer dem Hoftheaterstempel? Das bleibt erstmal ein Rätsel ...

 


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