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„Eine kostbare Reliquie“ – Stammbuch Engelbert Kaempfers restauriert

von Julia Hiller von Gaertringen • 20.05.2008

Dr. Lothar Weiß (Engelbert-Kaempfer-Gesellschaft)
Ltd. Bibliotheksdirektor Detlev Hellfaier M.A.
Dr. Wolfgang Ulrich (Engelbert-Kaempfer-Gesellschaft)

Foto: Bernhard Preuß/Lippische Landes-Zeitung

Dank des finanziellen Engagements der Engelbert-Kaempfer-Gesellschaft konnte das im Besitz der Lippischen Landesbibliothek befindliche Stammbuch Engelbert Kaempfers (1651-1716) einer durchgreifenden Restaurierung unterzogen werden.

Engelbert Kaempfers Stammbuch gehört zu den bedeutendsten biographischen Quellen aus der Gattung „Album amicorum“. Es ist zugleich eine der wichtigsten Quellen zu Kaempfers Lebenslauf, begleitete ihn von 1674 bis 1694 und umfasst damit auch die 10jährige Weltreise, die ihn schließlich nach Japan führte.

Von etwa 130 Personen erhielt er Eintragungen, so u.a. mahnende Worte, lobende Zeugnisse, Erinnerungen an Freundschaften, verziert durch weise und gelehrte Zitate, aber auch persische und japanische Gedichte. Der Kreis der Eintragenden ist vielfältig, darunter befinden sich neben seinem Vater, polnische Professoren, bedeutende Gelehrte aus der europäischen Wissenschaft, holländische Kaufleute und japanische Dolmetscher, aber auch einer der wichtigsten Fürsten Polens, ein georgischer König im Exil und persische Würdenträger. Im Album sind 25 verschiedene Sprachen zu finden, wobei einige Idiome bisher noch gar nicht  gelesen werden konnten. Die Eintragungen stammen aus etwa zehn Ländern in drei Kontinenten.

Das Stammbuch hatte nach Engelbert Kaempfer sieben weitere Besitzer und wäre beinahe auch nach London in die Bibliothek des Britischen Museums gegangen, wo sich heute fast der gesamte Nachlass Kaempfers befindet. Dank für Lippe glücklicher Fügung kam das wertvolle Stück 1867 als Geschenk aus der Dohm-Helwing-Familie an die Fürstliche Bibliothek, die heutige Lippische Landesbibliothek Detmold, und ist damit eine der wenigen „Kaempferiana“ in unserem Lande. Aus dem 19. Jahrhundert ist bekannt, dass es u.a. von Alexander von Humboldt, der Erforscher des südamerikanischen Kontinents eingesehen wurde. Von ihm ist die Bemerkung, es handele sich um „eine kostbare Reliquie“, überliefert. In der Öffentlichkeit konnte das Stammbuch bisher nur selten präsentiert werden. Neben Ausstellungen in der Landesbibliothek selbst war es 1990 in der Kaempfer-Ausstellung im Weserrenaissance-Museum Schloß Brake zu bewundern. Anschließend ging es ein zweites Mal um die halbe Welt: während der Aufsehen erregenden Kaempfer-Ausstellung 1990/1991 war es in vier japanischen Großstädten eine der Attraktionen.

Durch Karl Meier-Lemgo wurde es 1952 erstmals umfassend bearbeitet und nahezu  vollständig übersetzt; wegen zwischenzeitlich gewonnener Erkenntnisse wäre eine erneute wissenschaftliche Bearbeitung mit anschließender Publikation und Faksimilierung in hohem Maße wünschenswert; in der großen Werkausgabe Kaempfers, die in bisher sechs Bänden von 2001-2003 erschienen ist, ist das Stammbuch bisher nicht berücksichtigt.

Das postkartengroße Büchlein (Maße: 16,0 x 9,5 cm) hat Kaempfer nicht im heutigen Einband aus dem 18. Jahrhundert begleitet. Sein Erhaltungszustand hatte in der Vergangenheit arg gelitten: beschädigter Rücken, abgerissener Vorderdeckel, lockere Lagen, lose Blätter, eingerissene Seiten. Hinzu kam, dass einige frühere Restaurierungsversuche offenbar nur mit unzulänglichen Mitteln durchgeführt werden konnten. So hat sich die Lippische Landesbibliothek gemeinsam mit der Engelbert-Kaempfer-Gesellschaft entschlossen, das einmalige Werk im Herbst 2007 dem Fachrestaurator Peter Köster in Marburg/Lahn zur umfassenden Restaurierung zu übergeben. Vor wenigen Wochen ist „die kostbare Reliquie“ nach Detmold zurückgekehrt und steht hier in der Lippischen Landesbibliothek der Engelbert-Kaempfer-Forschung wieder zur Verfügung.


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