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Briefe aus der Fürstin Feder (4): Religiosität und Glaube

von Christine Rühling • 16.11.2020

Detmold, Alte Lutherische Kirche Schülerstraße, von Ludwig Menke, BA DT-37-43

„…und mir eine Rechenschaft vor den Menschen, so wie vor mir selbst und vor Gott obliegt.“
(Slg 74 Nr. 1,1; Fürstin Pauline an Petri, 21. Mai 1802, →hier)

Fürstin Pauline zur Lippe (1769-1820) nennt in dieser kurzen Briefpassage drei Instanzen, vor denen sie ihr Handeln rechtfertigt: die Mitmenschen, das eigene Gewissen und Gott. Diese Reihung folgt einer Logik der Steigerung, die Gott als die zentrale richtende Instanz ausweist. Pauline stammte aus dem protestantischen deutschen Kleinstaat Anhalt-Bernburg. Sie wurde dort reformiert erzogen und war tief in ihrem Glauben verwurzelt. In ihren Briefen an Friedrich Simon Leopold Petri (1774-1850) gibt es zahlreiche Stellen, die Ausdruck dieser Frömmigkeit sind. Zwei Passagen möchte ich heute vorstellen.

Die Erziehung ihrer Söhne im Glauben scheint für Pauline zentral gewesen zu sein. Und so schreibt sie in Bezug auf die Konfirmation ihrer Kinder, äußerst bewegt durch die Ereignisse, am 3. September 1814 an Petri:

„Am Sonntag verlieh mir Gott einen rührend schönen Tag, glücklicher hatte ich mein Leben noch nicht, meine Söhne wurden in der lutherischen Kirche geprüft, und werden morgen in der reformierten konfirmiert werden und kommunizieren [= am Abendmahl teilnehmen]. Die Feier war würdig, edel und einfach, die Prüfung ein schönes Ganze, und meine Kinder beantworteten ohne Anstoß sehr genügend und von jedermann verstanden alle Fragen ihres würdigen Lehrers.“

Neben der ausgedrückten Freude sind die Abläufe der Konfirmation bemerkenswert, da hier beide protestantische Strömungen in den feierlichen Akt einbezogen wurden: Die Prüfung fand in der lutherischen Kirche statt, während die eigentliche Konfirmation – Paulines Bekenntnis gemäß – in der reformierten vollzogen wurde. Vermutlich sind mit den genannten Kirchen die beiden Stadtkirchen Detmolds gemeint: der Vorgängerbau der Martin-Luther-Kirche in der Schülerstraße und die reformierte Kirche am Marktplatz.

Zum Brief: Slg 74 Nr. 1,3: →hier.

Andere Passagen verdeutlichen, wie sehr Pauline in schwierigen Lebensphasen und bei erschütternden Ereignissen Halt im Glauben fand. Am 22. März 1816 reagierte sie auf die Nachricht, dass Petris Tochter an den Masern erkrankte und seine Frau verstarb. Mitfühlend fand sie folgende Worte:

„Gott legte Ihnen viel auf, Sie trugen mit Ergebung, Sie erfüllten heilige Pflichten mit Selbstaufopferung bis zum letzten Moment. Ihre vollendete Verklärte ist sicher mit Dank, mit Liebe geschieden. Sie wird ihr lieblicher Schutzgeist bleiben und Sie erwarten, wo keine Trennung mehr stattfinden kann. Wir können wahrhaft Geliebten reines Glück ja nie missgönnen. Sie fehlen uns, aber wir wünschen sie nie zurück, ihnen droht kein Schmerz mehr. Gott mit Ihnen und den Ihrigen am Himmelfahrtstage, der Ihre Freundin der Ewigkeit, dem Himmel zuführte!!“

Der Glaube an ein Leben nach dem Tod und die Hoffnung auf Erlösung stellen für Pauline den Deutungsrahmen der Ereignisse dar, der Trost spendet.

Zum Brief: Slg 74 Nr. 1,7: →hier.

Wenn Sie sich für weitere Briefe Paulines interessieren, sehen Sie →hier.


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