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Briefe aus der Fürstin Feder (2): Regierungsstil

von Christine Rühling • 02.11.2020

Treffendes ist über das Selbstverständnis von Fürstin Pauline zur Lippe (1769-1820) als regierende Fürstin geschrieben worden: Sie handelte „dem typischen Herrscherideal des aufgeklärten Absolutismus“ entsprechend (Lederle, S. 52) und: „bei aller Aufgeklärtheit [galt] einzig fürstlicher Wille“ (Arand, S. 17). In diesem Sinne schrieb Pauline nur drei Tage nach der Übernahme der vormundschaftlichen Regierung für ihren Sohn Leopold II. (1796-1851) an ihren Vertrauten Friedrich Simon Leopold Petri (1774-1850). Sie teilt diesem mit, dass sie zukünftig an den Sitzungen des Kammerkollegiums teilzunehmen gedenke, also an den Versammlungen der Behörde, die für die Leitung des fürstlichen Haushalts zuständig war. Dabei entwirft sie ein Bild des Regierens, in dem sie sich ganz zeittypisch als „Mater patriae“, als Mutter des Landes, stilisiert:

„Sie [die Sitzungen des Kammerkollegs] werden zweifelsohne abzwecken auf eine regelmäßige, bestimmt auf den Grundsatz gebaute Staatswirtschaft, dass Wohlstand des Landesherren und der Untertanen unzertrennlich sind, dass nur die Finanzen des Fürsten festgegründet sind, dessen Untertanen wohlhabend sind, und dagegen auch nur das Land dauernden Segens genießt, dessen Regent die Früchte eines vernünftigen Haushalt einerntet. Für wen sammelt der gute Vater, die liebevolle Mutter anders, als für ihre Kinder, o! sie wird sie nie Not leiden lassen, immer ihren wahren Bedürfnissen zuvorkommen, aber auch eben aus Liebe ihre schädlichen Bitten verweigern. Wir müssen jedes billige, jedes erlaubte Mittel anwenden, die Einkünfte zu mehren, die Ausgaben zu mindern, die Schulden zu bezahlen: Mir ist das umso vorzüglichere Pflicht, weil kein Geburtsrecht, sondern nur Vertrauen auf meine Muttertreue und auf meinen Charakter mich an diese Stelle rief, und mir eine Rechenschaft vor den Menschen, so wie vor mir selbst und vor Gott obliegt.“ 
(Slg 74 Nr. 1,1; An Petri, 21. Mai 1802, →hier)

Pauline äußert sich hier eindeutig zum Verhältnis zwischen Herrscherin und ihren Landeskindern sowie zu ihrer Rolle als Regentin. Zum einen verknüpft sie ihr eigenes Wohlergehen mit dem ihrer Untertanen, für die sie eindeutig eine Fürsorgepflicht empfindet. Daraus leitet sie den Zwang zur fiskalischen Sparsamkeit ab. Durch vernünftiges Haushalten entstehe „Wohlstand“ für Fürst, Land und Leute. Zugleich sieht sich Pauline in der Rolle der Erziehenden, die gegenüber ihren Landeskindern durchaus auch einmal härtere Methoden anwenden muss, um Schaden abzuwenden. Was unter die „schädlichen Bitten“ fällt, die es abzulehnen gilt, kann sie selbst – so ist Pauline überzeugt – am besten beurteilen.

Ganz ihrem aufgeklärt-absolutistischen Bild des Herrschers folgend, hatte auch Pauline die Tendenz, sich in das durchaus kleinteilige Tagesgeschäft ihrer Ämter einzumischen. Genannt seien hier einige Beispiele aus den Briefen an Petri.

Pauline selbst zog die Fäden bei der Besetzung einer Lehrerstelle am Gymnasium in Lemgo:

Slg 74 Nr. 1, 54: →hier.
Slg 74 Nr. 1, 55: →hier.
Slg 74 Nr. 1, 56: →hier
Slg 74 Nr. 1, 57: →hier.

Die Fürstin hatte die Abläufe in ihren Einrichtungen – etwa dem Strafwerkhaus – genau im Blick. In Bezug auf die Hochzeit des Aufsehers Kruel etwa äußert sie Bedenken, dass die Feierfreudigkeit des Personals zu „Unordnung in der Anstalt“ geführt haben könne:

Slg 74, Nr. 1, 26: →hier.

Und Pauline geht höchstselbst dem „Totschlag einer Gans“ nach und kennt ihre Untertanen nur zu gut:

Slg 74, Nr. 1, 34: →hier.

Diesen sehr informierten, sich auch mit den kleinsten Angelegenheit befassenden Regierungsstil nennt die Forschung „Vielregiererei“ (wir würden wohl auch sagen: „Mikromanagement“). Weitere Beispiele finden Sie in den Pauline-Briefen an Petri.

Zu den Brief geht es →hier.


Literatur zum Regierungsstil:

Tobias Arand: „Unsere Fürstin hat vielen geholfen!“ Paulines Leben und ihre Regentschaft. In: Frauenzimmer, Regentin Reformerin. Fürstin Pauline zur Lippe 1802-1820. Hg. von Jutta Prieur. Detmold 2003, S. 8-29 (Signatur: ZXUP 103).

Julia Lederle: Die „treue Landesmutter“ und „innig geliebte Fürstin Pauline“. Zur Rolle der Regentin im frühen 19. Jahrhundert. In: Frauenzimmer, Regentin Reformerin. Fürstin Pauline zur Lippe 1802-1820. Hg. von Jutta Prieur. Detmold 2003, S. 42-53 (Signatur: ZXUP 103).


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